Nach jeder Aussage wird der Mensch befragt
بسم الله والحمد لله والصّلاة والسّلام على رسول الله وآله وصحبه ومن والاه، وبعد:
وَلَا تَقْفُ مَا لَيْسَ لَكَ بِهِ عِلْمٌ إِنَّ السَّمْعَ وَالْبَصَرَ وَالْفُؤَادَ
كُلُّ أُولَئِكَ كَانَ عَنْهُ مَسْئُولًا
Und folge nicht dem, worüber du kein Wissen besitzt!
Gewiss, das Gehör, das Sehen und das Herz, nach all diesen wird er
zweifellos gefragt werden.
(Sure 17: 36)
Aus dieser Ayah kann man verstehen:
- Wer über eine Angelegenheit im Din Allahs redet, ohne ausreichendes Wissen zu haben, der behauptet damit, was er nicht weiß und folgt somit – wie in der Ayah ausgedrückt – einer Sache, über die er kein Wissen hat. Und Allah عز وجل hat so ein Vorgehen in dieser Ayah verboten.
- Über jede einzelne Sache, die man über den Din Allahs aussagt, wird man befragt bzw. man trägt für jede einzelne Aussage die Verantwortung!
- Wer allgemein und oft ohne ausreichendes Wissen sowie mit Leichtfertigkeit über den Din spricht, begeht somit also häufig eine von Allah verbotene und Ihm تعالى verhasste Tat – auch wenn er sich dessen selbst überhaupt nicht bewusst ist.
- Der Student des islamischen Wissens ist davon im Besonderen betroffen. Wenn er so verfährt, dann führt ihn das sicher ins Verderben. Bis auf denjenigen, dem schließlich klar wird, wie übel dieses Verhalten ist, und der daraufhin Taubah davon macht, also eine richtige Reue vollzieht.
- Daran sieht man, dass man nicht von jedem die Aussage über den Din annehmen kann, nur, weil er dazu aufruft – denn dadurch würde man Gefahr laufen, von einem Unwissenden zu lernen und schließlich ebenfalls Dingen zu folgen, über die man kein Wissen hat.
Wer jemand Unwissendem in dessen unqualifizierten Behauptungen über den Din folgt, ist in dem Maße von all diesen Punkten betroffen, in dem er dabei ohne Sicherheit und Aufrichtigkeit vorgeht und seinen schlechten Neigungen folgt.2
Muslim überliefert im Vorwort seines Sahih-Werkes, dass Muhammad ibnu Sirin رحمه الله sagte:
عَنْ مُحَمَّدِ بْنِ سِيرِينَ، قَالَ: «إِنَّ هَذَا الْعِلْمَ دِينٌ، فَانْظُرُوا عَمَّنْ تَأْخُذُونَ دِينَكُمْ»
Wahrlich, dieses Wissen ist Din! Also seht (genau), von wem ihr euren Din nehmt.
Bei jedem Wissen, das vom Din ist, muss genau geschaut werden, wer dieses Wissen überbringt. Welche Eigenschaften hat er und ist er dafür bekannt? Oder bemerkt man bei ihm schlechte Eigenschaften und ist er vielleicht sogar dafür bekannt? Oder kennt man ihn gar nicht?
Selbst die Überlieferungskette, der Isnad, ist davon betroffen, wobei er ursprünglich und für sich selbst betrachtet nicht ein Wissen des Din ist. Aber da er dieses Wissen transportiert, wurde er zu einem Teil des islamischen Wissens.
Einige sehr wichtige von diesen guten Eigenschaften, die erforderlich sind bei jedem, der islamisches Wissen weitergibt, werden im Folgenden genannt – und ebenso die schlechten Eigenschaften, die den guten widersprechen.
Fußnoten
- Hierin liegt ein Hinweis auf den sogenannten Taqlid und darauf, dass die Gelehrten diese Ayah als Argument in dieser Angelegenheit benutzen. Das Gesagte ist also nur ein Hinweis und kann nicht als umfassende Erklärung zu diesem Thema angesehen werden. Es ging lediglich darum, zu zeigen, dass diese Ayah einen Bezug zu dieser Frage hat. ↩