Die Fitnah zwischen Muslimen – Eine Überlieferung als Beispiel
بسم الله والحمد لله والصلاة والسلام على رسول الله وعلى آله وصحبه ومن والاه
Asch-Schafi'i رحمه الله überliefert in seinem Werk al-Umm folgende Begebenheit:
أَخْبَرَنَا سُفْيَانُ بْنُ عُيَيْنَةَ عَنْ عَمْرِو بْنِ دِينَارٍ عَنْ أَبِي فَاخِتَةَ أَنَّ عَلِيًّا - رَضِيَ اللهُ تَعَالَى عَنْهُ - أُتِيَ بِأَسِيرٍ يَوْمَ صِفِّينَ فَقَالَ لَا تَقْتُلْنِي صَبْرًا فَقَالَ عَلِيٌّ " لَا أَقْتُلُك صَبْرًا إنِّي أَخَافُ اللَّهَ رَبَّ الْعَالَمِينَ " فَخَلَّى سَبِيلَهُ ...
„Es berichtete uns Sufyan ibnu 'Uyainah von 'Amr ibnu Dinar von Abu Fakhitah, dass zu 'Aliyy رضي الله عنه ein Kriegsgefangener gebracht wurde am Tag von Siffin.
Der Gefangene sagte: ‚Töte mich nicht', worauf 'Aliyy antwortete:
‚Ich töte dich nicht. Ich fürchte Allah, den Herrn der Welten.' Daraufhin ließ er ihn gehen.“
Nützliches zu dieser Überlieferung:
- Abu Fakhitah, der diese Begebenheit von 'Aliyy ibnu Abi Talib überliefert, starb gemäß den Biografien etwa 90 n. H. oder danach. Er wurde mehrfach als vertrauenswürdiger Überlieferer beurteilt (thiqah).
- Dieser Text ist auch ein Beispiel dafür, wie asch-Schafi'i – der selbst ein Hadith-Gelehrter war – in seinen Werken Dinge anhand von Überlieferungsketten überliefert.
- Der arabische Ausdruck „qatalahu sabran“ umschreibt, dass jemand nicht in einer Kriegshandlung getötet wurde, und wird meistens verwendet, wenn dies nach einer Schlacht vorkommt, wenn der eigentliche Kampf schon vorüber ist.
Jemand wird also so lange in Gefangenschaft behalten, bis er letztlich hingerichtet wird. 'Aliyy ibnu Abi Talib hat ebendies hier abgelehnt und bekräftigt, dass er das nicht tun wird.
Diese Bedeutung des arabischen Ausdrucks erwähnt z.B. Abu Mansur al-Azhari (gest. 370 n. H.) im Buch Tahdhibu l-Lughah.
- 'Aliyy ließ den Mann schließlich laufen, wie am Ende der Überlieferung erwähnt ist. Dies zeigt also, dass 'Aliyy mit seiner Aussage meinte, dass er den Mann ganz grundsätzlich nicht hinrichten würde.
- Die Schlacht von Siffin im Jahr 37 n. H. war eine Begebenheit, bei der Muslime im Kampf aufeinandertrafen. Dies passierte aufgrund der schweren Umstände zur damaligen Zeit, die sich vorwiegend aus der schnellen Ausbreitung des muslimischen Herrschaftsgebietes ergaben und kaum zu kontrollieren waren.
Es gingen diesen Ereignissen viele Fitan und üble Taten voraus, die mehrfach auch bewusst gesteuert wurden, um zwischen den Muslimen Zwietracht zu schüren. Dies begann vor allem in der Regierungszeit des dritten Kalifen 'Uthman ibnu 'Affan رضي الله عنه1.
Dass es zum Kampf unter Muslimen kommt, ist etwas Schlechtes und muss natürlich vermieden werden. Jedoch sind Muslime, egal wie gut sie waren, keine Engel und nicht fehlerfrei.
Menschen sind immer ihren menschlichen Umständen und Eigenschaften unterworfen. Deshalb erwähnt Allah im Qur'an in Sure al-Hujurat (49:9), was zu tun ist, „Wenn zwei Gruppen der Mu'minin sich bekämpfen“.
وَإِنْ طَائِفَتَانِ مِنَ الْمُؤْمِنِينَ اقْتَتَلُوا فَأَصْلِحُوا بَيْنَهُمَا فَإِنْ بَغَتْ إِحْدَاهُمَا عَلَى الْأُخْرَى فَقَاتِلُوا الَّتِي تَبْغِي حَتَّى تَفِيءَ إِلَى أَمْرِ اللَّهِ فَإِنْ فَاءَتْ فَأَصْلِحُوا بَيْنَهُمَا بِالْعَدْلِ وَأَقْسِطُوا إِنَّ اللَّهَ يُحِبُّ الْمُقْسِطِينَ (٩) إِنَّمَا الْمُؤْمِنُونَ إِخْوَةٌ فَأَصْلِحُوا بَيْنَ أَخَوَيْكُمْ وَاتَّقُوا اللَّهَ لَعَلَّكُمْ تُرْحَمُونَ (١٠)
Und wenn zwei Gruppen von den Mu'minin miteinander kämpfen, so stiftet Frieden zwischen ihnen. Wenn die eine von ihnen Übertretung gegen die andere begeht, dann kämpft gegen diejenige, die übertritt, bis sie zu Allahs Befehl zurückkehrt.
Wenn sie zurückkehrt, dann stiftet Frieden zwischen ihnen nach Gerechtigkeit und handelt dabei gerecht. Allah liebt ja die Gerechten. (9)
Die Mu'minun sind doch Brüder. So stiftet Frieden zwischen euren beiden Brüdern und fürchtet Allah, auf dass ihr Erbarmen finden möget. (10)
(Sure al-Hujurat, 49:9)
Al-Bukhari weist darauf hin, als er in seinem Sahih-Werk diese Ayah in einer Überschrift anspricht und daraufhin anmerkt:
فَسَمَّاهُمُ الْمُؤْمِنِينَ
„Er [Allah] nannte sie also ‚al-Mu'minin'.“
- Trotz der vereinzelt und zu gewissen Zeitpunkten vorgefallenen Feindschaft behandelten sich die Muslime mit hohem Respekt und Gerechtigkeit, was durch Überlieferungen vielfach belegt wird.
Und auch diese Überlieferung ist ein Beispiel dafür, ebenso wie für die guten Eigenschaften und die Gerechtigkeit des vierten Kalifen 'Aliyy ibnu Abi Talib رضي الله عنه.
Wallahu a'lam ... und Allah weiß es am besten.
والله أعلم
وصلّى الله على نبيّنا محمّد وآله وصحبه ومن والاه
والحمد لله ربّ العالمين
Fußnoten
- Ein Beispiel dafür findet sich am Anfang der zweiten Schrift über die Übertreibung in der Religion. ↩