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Antwort

Volltext-Kapitel aus der Schrift Bücher, Fehler, Diskussion islamischer Angelegenheiten – Frage und Antwort zum Tafsir von Ibnu Abi Hatim · Als PDF lesen

Wa alaikumussalam wa rahmatullahi wa barakatuh,

Danke für die Frage und vor allem für diesen nützlichen Hinweis.

Ich bin immer dankbar für solche Hinweise, da sie helfen, die Bücher und Schriften weiter zu verbessern und das ist erfreulich, alhamdu lillah. Deshalb habe ich auch stets um Hinweise gebeten. Wer solche Hinweise gibt, der hat in sha Allah einen Anteil an der Verbesserung der Bücher. Danke also für eure Mithilfe.

Wie in der Frage richtig erwähnt wurde, ist es über den Tafsir von Ibnu Abi Hatim (رحمه الله) bekannt, dass das Werk als Ganzes uns heute nicht erreicht hat. Ein größerer Teil wurde erst von späteren, teils ziemlich späten Autoren, wie z.B. im Tafsiru bni Kathir und in ad-Durru l-manthur, wiedergegeben und ein Teil ist bis jetzt verschollen, wie man sagt. Dazu wäre auch noch einiges zu erwähnen, jedoch nicht unbedingt in diesem kurzgefassten Rahmen.

Wie auch richtigerweise vermutet wurde, war mir diese Tatsache damals und auch allgemein schon lange bekannt und ich hatte auch hier und da vereinzelt Leute darauf hingewiesen.

Ich habe diesen Tafsir seit langem bei mir und habe auch schon vor Jahren stellenweise direkt daraus zitiert, also nicht über Umwege. Selbst wenn jemand über Jahre nur hier und da in diesen Tafsir blickt und daraus zitiert, scheint es mir schwer möglich, dass er nicht bemerkt, dass es darin mehrfach Verse, teils sogar große Abschnitte gibt, manchmal ein großer Teil einer Sure, für die kein Tafsir erwähnt wird. Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis genügt an sich, um das zu sehen. Mal abgesehen davon, dass diese Tatsache im Vorwort der heute bekannten Ausgaben im Detail besprochen wird.

Eine für den Leser meiner Bücher nicht uninteressante Nebeninformation in Bezug auf die Vorgehensweise und Anwendung ist auch, dass ich nach Möglichkeit aus dem (ursprünglicheren) Teil zitiere, der von den muhaqqiqin (Editoren) heutiger Ausgaben auch als al-Asil bezeichnet wird, und von den anderen Teilen wenn möglich nur sekundär und nicht primär zitiert habe. Falls vorhanden, ziehe ich in diesem Fall andere Quellen vor. Darüber lässt sich sicher diskutieren und ich will nicht behaupten, dass dies die vorbildliche Methode ist, aber mir scheint es bis jetzt am sinnvollsten - für jene, die dieses Detail interessiert.

Was den Fehler im Buch betrifft, so weiß jeder, der eine minimale Ahnung von Büchern hat, dass solche Fehler am laufenden Band vorfallen und in der Autorenwelt völlig normal sind. Umso mehr nochmals der Dank an jene, die darauf hinweisen. Barakallahu fikum, auch für die gute Absicht. An dieser Stelle auch danke für den husnu l-adab in der Frage und die gute Vermutung (husnu dh-dhann).

An einem Buch wird ganz allgemein sehr viel gearbeitet und das über einen längeren Zeitraum. Es wird auch gewöhnlicherweise von mehreren Personen korrekturgelesen und somit faktisch von mehreren nachbearbeitet, wobei vom Autor immer wieder Texte hinzugefügt, entfernt oder verändert werden. Teilweise werden ganze Abschnitte nachträglich aus neuen Zusätzen zusammengesetzt und es ist eine sehr schwere Aufgabe, jede Einzelheit korrekt zu halten.

Wer nur hier und da einen Text im Internet postet, der völlig unausgereift ist und kaum als Schularbeit in einer Hauptschule taugen würde, wie das heute im Internet häufig der Fall ist, der kann natürlich die Zusammenarbeit, die von mehreren Leuten an einem Buch geleistet wird, oft nicht einmal ansatzweise nachvollziehen. Deshalb sehe ich es auch als nützlich, hier darauf hinzuweisen.

Auf diese Art schleichen sich also immer wieder Fehler ein. Dies abgesehen von Fehlern, die dem Autor unterlaufen, wobei er an einer Stelle Dinge vertauscht, oder z.B. über zwei unterschiedliche Dinge spricht und dann eine gemeinsame Beurteilung dafür erwähnt usw.

Es handelt sich um Dinge, die im Arabischen als ghaflah (Unachtsamkeit) und sabqu l-lisan/sabqu l-qalam (etwa: die Zunge bzw. der Stift war schneller als der Verstand) bezeichnet werden, und ähnliche Dinge, die zu Tausenden vorfallen.

Abgesehen von dem bisher Gesagten über solche Arten von Fehlern gibt es natürlich keinen Zweifel, dass auch mir mehrfach Fehler aus bloßem Jahl unterlaufen, also aus Unwissenheit und Unkenntnis. Solange es in einem gewissen Rahmen bleibt, ist auch das menschlich, normal und nichts Ungewöhnliches – aber hier war das wie gesagt nicht der Fall.

Abgesehen davon weise ich auch ausdrücklich darauf hin, dass ich meilenweit davon entfernt bin, ein Fachmann über die Wissenschaft des Tafsir oder auch nur über diesen Tafsir im Speziellen zu sein. Es gibt Menschen, die darüber viel mehr Ahnung haben. Wenn ich also tatsächlich über die Unvollständigkeit des Tafsir von Ibnu Abi Hatim unwissend gewesen wäre, dann wäre das nur ein Teil meiner Unwissenheit über dieses Wissensgebiet. Aber soweit ich noch die Fähigkeit habe, meinen eigenen Kopf und mein Inneres zu beurteilen, trifft das in dieser Angelegenheit nicht zu.

Jedenfalls ging es mir damals im Buch in erster Linie um den Hinweis darauf, dass es sich bei den beiden Werken – im Gegensatz zu vielen anderen überlieferten Erklärungen des Qur'an – um umfassende Werke handelt, bei denen die Autoren die Zielsetzung hatten, den ganzen Qur'an nach diesem Muster zu erklären, auch wenn uns Teile davon nicht oder nur indirekt erreicht haben.

Wie umfassend die Arbeit von Ibnu Abi Hatim ist, und vor allem ursprünglich war, das sieht man am Umfang der aktuellen Ausgaben davon. Man sollte also nicht denken, dass nur wenig von diesem Tafsir erhalten ist. Wie gesagt ging es mir darum, auf diesen Umfang des Werkes hinzuweisen und den Leser wissen zu lassen, dass dieser Tafsir nicht nur eine teilweise oder sehr kurzgefasste Erklärung ist. Es ging also um die bedeutende Rolle dieses Werkes für die Tafsir-Wissenschaft als Ganzes und in diesem Zusammenhang sollte es auf jeden Fall gemeinsam mit dem Werk von at-Tabari erwähnt werden. Besonders auch deshalb, weil die meisten Menschen heute die Wertigkeit dieses Tafsir oder diesen Tafsir an sich gar nicht kennen.

Die 1439 n. H., also vor wenigen Jahren erschienene Erstausgabe des Verlags „Dar ibnu l-Jauzi“ z.B. hat 7828 Seiten. Das gibt einem eine gute Vorstellung davon, was mit umfassend gemeint ist – mit der Anmerkung, dass in dieser Ausgabe auch Analysen der Überlieferungsketten durch die Editoren enthalten sind.

Im Gegensatz zu den obengenannten Fehlern stehen solche, die eindeutig sind und nicht anders erklärt werden können. Ein Beispiel wäre, dass jemand drei verschiedene Personen mündlich in einem Vortrag ausdrücklich als dieselbe Person beschreibt. Nach meinem Verständnis deutet dies unzweifelhaft darauf hin, dass so jemand die drei Personen für ein und dieselbe Person hält. Hätte jemand dennoch eine andere plausible Erklärung, würde ich sie mir ohne weiteres anhören, durchdenken und wenn irgendwie möglich, die bessere Auslegung annehmen.

Dieser Fehler an sich ist natürlich nichts Schlimmes, wenn jemand z.B. im Studium der Schari'ah oder spezieller Wissenschaften am Anfang steht – solange man sich auch dementsprechend verhält und den Leuten auch nichts anderes vermittelt.

Oder dass jemand annimmt, es hätte medizinische Spritzen, also Injektionen schon in den ersten Jahrhunderten des Islam gegeben und die Salaf hätten darüber gesprochen, und dann versucht, davon Rechtsurteile abzuleiten.

Wer diese Art von Fehlern mit den obenerwähnten Arten gleichstellt, dessen Verstand arbeitet entweder nicht normal oder er verdreht klare Dinge absichtlich.

Wie gesagt sollte man natürlich auch bei solchen eindeutigen Fehlern auf jeden Fall, wie ganz allgemein bei Fehlern von Menschen, jede Möglichkeit suchen, diese Aussagen auf die beste Art und Weise auszulegen.

Wenn man aber sieht, dass der Fehler – soweit man es irgendwie beurteilen kann – eindeutig und unzweifelhaft ist, zudem in grundlegenden Dingen vorfällt und dadurch ein Fehlverständnis bei den Lesern und Zuhörern entsteht, sollte man auf den Fehler hinweisen. Nicht im Sinne einer Beleidigung des Autors, sondern als bloßer Hinweis. Und wenn sich solche Fehler häufen, dann auch als gutgemeinter Hinweis für den Autor oder Vortragenden, dass er vielleicht die eigene Tätigkeit überdenken sollte.

Umso schlimmer wird die Sache jedoch, wenn jemand in dieser Situation sich selbst z.B. öffentlich das – vielleicht sogar alleinige – Lehrrecht in einem Land oder Sprachraum zuspricht und jeden anderen diffamiert, um diese behauptete Position zu verteidigen. Dann wird der Talabu l-'Ilm zum Spielball der eigenen Gelüste und es geht nur mehr um das Ansehen bei den Leuten und nicht um die Erklärung des Din.

Wenn man in so einem Fall auf häufige Fehler hinweist, dann geht es nicht nur um den einzelnen Fehler, sondern es geht um den Hinweis für uns alle, dass man eine Muraja'ah der eigenen Nafs vornehmen, also sich selbst überprüfen sollte, ob man wirklich mit der notwendigen Demut an das Wissen herangeht.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist jedoch auch folgende Sache: Selbst wenn man eindeutige Fehler erkennt und darauf hinweist, heißt das nicht, dass man glaubt, deshalb besser als diese Person zu sein. So auch bei den oben erwähnten Beispielen. Allah weiß am besten, was sich in den Herzen verbirgt und Er weiß auch, wie sich die Menschen entwickeln und worauf sie letztlich sterben. Deshalb sollte man bei der Einschätzung von sich selbst oder anderen grundsätzlich vorsichtig sein.

Von asch-Schafi'i (رحمه الله) werden in diesem Zusammenhang sehr wichtige Worte überliefert, die in mehreren alten Büchern aufscheinen.

So überliefert z.B. Ibnu Battah in al-Ibanatu l-kubra:

سَمِعْتُ حُسَيْنًا الزَّعْفَرَانِيَّ، يَقُولُ: سَمِعْتُ الشَّافِعِيَّ، يَحْلِفُ وَهُوَ يَقُولُ: «مَا نَاظَرْتُ أَحَدًا قَطُّ إِلَّا عَلَى النَّصِيحَةِ، وَمَا نَاظَرْتُ أَحَدًا مَا فَأَحْبَبْتُ أَنْ يُخْطِئَ»

„… Ich hörte asch-Schafi'i sagen, wobei er schwor: ‚Ich habe niemals mit jemandem einen Disput ausgetragen, außer im Sinne des Ratschlags. Und ich habe niemals mit jemandem (eine Angelegenheit der Religion) diskutiert und dabei gewollt, dass er einen Fehler macht.'“

Ibnu Abi Hatim ar-Razi erwähnt darüber hinaus in seinem Buch über die vorzüglichen Eigenschaften von asch-Schafi'i [آداب الشافعي ومناقبه] ausdrücklich, dass dieser dabei „wallahi“ sagte, also bei Allah schwor.

Asch-Schafi'i meint mit dieser Aussage, dass er immer, wenn er eine Angelegenheit des Islam diskutierte, dabei die Absicht hatte, einen Ratschlag zu geben und nicht irgendwelche anderen Ziele verfolgte.

Das ist schon eine gewaltige Stufe an Charakter, von der wir im Allgemeinen, glaube ich, alle weit entfernt sind. Aber wir alle sollten daraus lernen und darauf achten, dass unsere Niyyah beim Aufzeigen eines Fehlers als erstes die Maslahah für den Din ist und nicht das Verteidigen der eigenen Ehre (الانتصار للنَّفس).

Darüber hinaus sagte asch-Schafi'i:

وَمَا فِي ظَنِّي عِلْمٌ إِلَّا وَدِدْتُ أَنَّهُ عِنْدَ كُلِّ أَحَدٍ، وَلَا يُنْسَبُ إِلَيَّ [الإبانة الكبرى]

وَدِدْتُ أَنَّ كُلَّ عِلْمٍ أَعْلَمُهُ يَعْلَمُهُ النَّاسُ، أُؤْجَرُ عَلَيْهِ وَلَا يَحْمَدُونَنِي [الإبانة الكبرى]

Auch diese Aussage wird zahlreich überliefert. Die Zitate hier wurden nur als Beispiel angeführt. Asch-Schafi'i drückt dabei seinen Wunsch aus, dass sein gesamtes Wissen und der Inhalt aller Bücher, die er verfasste, von allen Menschen gewusst würden, sie ihm diese Bücher aber nicht zuschreiben und ihn nicht dafür loben würden.

Wie ich in diesem Sinne über mehr als ein Jahrzehnt mehrfach mündlich und schriftlich schon sagte, erwähne ich auch hier abschließend, ebenfalls der Lehre von asch-Schafi'i folgend, dass niemand mir in irgendeiner Sache persönlich folgen soll. Alles, was ich irgendwann von mir gegeben habe, sollte nur im Sinne eines Hinweises sein und nicht, um zu zeigen, dass mein persönliches Wissen irgendwie bedeutend wäre und man deshalb mir als Person immer folgen müsste. Möge Allah mich davor bewahren, dies jemals zu verlangen.

Wer auch immer eine Aussage von mir sieht, die einem Text der Schari'ah klar widerspricht, der soll dem Text folgen, meine Aussage verwerfen und mir darin nicht folgen.

So riet es auch asch-Schafi'i den Menschen, als er sagte:

سَمِعْتُ حَرْمَلَةَ بْنَ يَحْيَى، يَقُولُ: قَالَ الشَّافِعِيُّ: «كُلُّ مَا قُلْتُ، وَكَانَ عَنْ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ خِلافُ قَوْلِي، مِمَّا يَصِحُّ، فَحَدِيثُ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَوْلَى، وَلا تُقَلِّدُونِي» [آداب الشافعي ومناقبه]

Danke also abschließend nochmals für den nützlichen Hinweis. Der Fehler im Buch wurde nach dieser Frage bereits wie folgt korrigiert. Die neue Version wird bei nächster Gelegenheit hochgeladen:

„Gemeinsam mit dem Werk von Ibnu Jarir at-Tabari gehört das Werk von Ibnu Abi Hatim zu den frühesten umfassenden und heute noch vollständig oder zu einem großen Teil erhaltenen Werken des Tafsir.“

Im Englischen war dieselbe Stelle übrigens von Anfang an richtiger formuliert, soweit ich das in Bezug auf die englische Sprache beurteilen kann. Deshalb wurde dort jetzt auch nichts verändert.

Was ich hier sagte, sagte ich nach bestem Wissen und Gewissen.

Wallahu a'lam.