Der Verstand darf niemals über den eindeutigen Text gestellt werden
وَمَا كَانَ لِمُؤْمِنٍ وَلَا مُؤْمِنَةٍ إِذَا قَضَى اللَّهُ وَرَسُولُهُ أَمْرًا أَنْ يَكُونَ لَهُمُ الْخِيَرَةُ مِنْ أَمْرِهِمْ وَمَنْ يَعْصِ اللَّهَ وَرَسُولَهُ فَقَدْ ضَلَّ ضَلَالًا مُبِينًا
Keineswegs ist es zulässig für einen Mu'min oder eine Mu'minah, wenn Allah und Sein Gesandter eine Angelegenheit bestimmten, dass es für sie noch eine Wahl in ihrer Angelegenheit gäbe. Und wer sich Allah und Seinem Gesandten widersetzt, ist bereits mit eindeutigem Irrtum abgeirrt.
(Sure 33:36)
Wenn Allah etwas sagt, hat der Muslim nur zu gehorchen. Er benutzt seinen Verstand hinsichtlich der Religion lediglich für folgende Dinge:
- Um den Din Allahs (die Religion) grundlegend zu verstehen und seine Richtigkeit zu erkennen.
- Um den Willen Allahs in Bezug auf eine Sache korrekt zu verstehen, damit er danach handeln und den Islam richtig umsetzen kann.
- Um den Sinn hinter den Geboten zu verstehen – ohne danach zu trachten, diese Gebote durch Rechtskniffe auszuhebeln.
- Um Rechtsableitungen in den Angelegenheiten vorzunehmen, in denen kein eindeutiger Text vorhanden und in denen somit die Anstrengung des eigenen Verstandes legitim und notwendig ist.
Wenn er nun auf Grund der zahlreichen Beweise von der Richtigkeit dieses Din überzeugt ist, muss er versuchen, den Willen Allahs korrekt zu verstehen. Für all dies verwendet er seinen Verstand, was den Islam zu einer verstandesmäßigen Religion macht, in der immer der Beweis zählt.
Hat der Mensch aber eindeutig erkannt, was Allah bestimmt hat, so hat er seinen Verstand nicht darüber zu befragen, ob dies nun gut ist bzw. Sinn macht oder nicht.
Die Entscheidung des Herrn ist in jedem Fall immer die Beste, auch wenn der Diener die Weisheit dahinter nicht immer vollständig begreift.
Die Kernfrage dabei ist natürlich immer, ob es sich bei der eigenen Meinung wirklich um den Willen Allahs handelt oder nicht. Wenn man nach einer falschen Ansicht handelt, wird man – mit Blick auf die Sache selbst – zwangsläufig nicht entsprechend dem Willen Allahs handeln.
So verhält es sich auch bei der hier besprochenen Angelegenheit, nämlich der äußerlichen Bekundung des Islam. Es ist, wie schon erwähnt, ein festes Prinzip im Islam, dass man jemanden, der den Willen äußert, in den Islam einzutreten, als Muslim zu behandeln hat.
Wenn ein Muslim dies verstanden hat, wäre es für ihn somit nicht legitim, diese Beurteilung der Person nach ihrer Sinnhaftigkeit zu hinterfragen. Selbst wenn sich dem Verstand also der Gedanke aufdrängt, dass die Person den Islam nur äußerlich bekundet, aber nicht wirklich verinnerlicht haben könnte, wäre es dennoch verpflichtend, diese Person als Muslim anzuerkennen.
وَاللَّهُ يَحْكُمُ لَا مُعَقِّبَ لِحُكْمِهِ
Und Allah (allein) richtet, und es gibt niemanden, der Sein Urteil rückgängig machen kann10.
(Sure 13:41)
Wenn der Schöpfer über eine Sache entschieden hat, ist es für den Muslim nicht vorstellbar, dass ein Geschöpf diese Entscheidung widerruft, verändert oder an ihrer Stelle eine andere, eigene Entscheidung einsetzt.
قُلْ إِنَّمَا أُنْذِرُكُمْ بِالْوَحْيِ وَلَا يَسْمَعُ الصُّمُّ الدُّعَاءَ إِذَا مَا يُنْذَرُونَ
Sag: Ich warne euch nur mit der Offenbarung (die mir eingegeben wird). Aber die Tauben hören, wenn sie gewarnt werden, den Zuruf nicht.
(Sure 21:45)
- Der Prophet صلى الله عليه وسلم, genau wie auch alle Propheten vor ihm عليهم السلام, verkündeten die Religion ausschließlich mit dem von Allah جل جلاله Geoffenbarten!
- Sie riefen die Menschen also nicht zu Dingen auf, die ein Produkt ihres eigenen Verstandes waren.
- Dies, wobei die Propheten عليهم السلام ohne irgendeinen Zweifel die wissendsten Leute über die Religion Allahs waren!
- Wer somit glaubt, den Willen Allahs und Seine Lehre in einer anderen Sache als in Seiner Offenbarung zu finden, der ist ohne Zweifel weit abgeirrt und wird auf diesem Weg keine Rechtleitung erfahren – selbst wenn er in Teilbereichen zu Ergebnissen kommen kann, die sich rein äußerlich mit der Wahrheit decken.
- Wer versucht, den Menschen durch seine eigenen und nicht klar auf den Text gegründeten Gedanken den Islam beizubringen, wird die Menschen nur vom richtigen Verständnis für den Islam entfernen und in die Irre führen.
- Das Erlernen der Philosophie, mit der Begründung, dadurch den Islam richtig verstehen und erklären zu können, ist daher absurd. Dieser Vers zeigt dies deutlich.
Wäre im Erlernen der Regeln der Philosophie etwas Gutes und für das Verständnis der Religion Notwendiges, hätten der Prophet صلى الله عليه وسلم, seine Gefährten رضي الله عنهم und die frühen Gelehrten رحمهم الله dies gewusst und es auch verkündet.
Wenn sie alle es nicht zum Verständnis und zur Erklärung benötigten, kann es unmöglich sein, dass wir es dafür benötigen.
Fußnoten
- Was sprachlich auch impliziert: Und es gibt niemanden, der danach in dieser Entscheidung noch etwas anzumerken oder hinzuzufügen hätte. ↩