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Der Hadith von Mu'adh ibnu Jabal رضي الله عنه

Beispiele für fehlerhafte Argumentationen mit Quelltexten oder Gelehrtenaussagen · Volltext-Kapitel aus dem Buch Die Lehre des Monotheismus · Als PDF lesen

Ibnu Majah überliefert von 'Abdullah ibnu Abi Aufa folgenden Hadith:

لَمَّا قَدِمَ مُعَاذٌ مِنْ الشَّامِ سَجَدَ لِلنَّبِيِّ صلى الله عليه وسلم قَالَ مَا هَذَا يَا مُعَاذُ قَالَ أَتَيْتُ الشَّامَ فَوَافَقْتُهُمْ يَسْجُدُونَ لِأَسَاقِفَتِهِمْ وَبَطَارِقَتِهِمْ فَوَدِدْتُ فِي نَفْسِي أَنْ نَفْعَلَ ذَلِكَ بِكَ فَقَالَ رَسُولُ اللَّهِ صلى الله عليه وسلم فَلَا تَفْعَلُوا فَإِنِّي لَوْ كُنْتُ آمِرًا أَحَدًا أَنْ يَسْجُدَ لِغَيْرِ اللَّهِ لَأَمَرْتُ الْمَرْأَةَ أَنْ تَسْجُدَ لِزَوْجِهَا

Als Mu'adh aus dem Sham152 zurückkam, machte er Sujud153 vor dem Propheten صلى الله عليه وسلم. Dieser fragte ihn: „Mu'adh, was ist das (, was du da tust)?“

Mu'adh antwortete darauf: „Ich sah im Sham, wie die Leute sich vor ihren Priestern niederwarfen. Da empfand ich den Wunsch, dies dir gegenüber ebenfalls zu tun.“

Der Prophet صلى الله عليه وسلم erklärte ihm daraufhin: „Tut das nicht! Wenn ich jemandem befehlen würde, sich vor etwas anderem als Allah niederzuwerfen, dann würde ich der Frau befehlen, sich vor ihrem Ehemann niederzuwerfen.“

Auch dieser Hadith wird von manchen Menschen für die mehrfach genannte fehlerhafte Argumentation herangezogen. Wiederum wird behauptet, ein Prophetengefährte, in dem Fall Mu'adh ibnu Jabal رضي الله عنه, hätte zu diesem Zeitpunkt den Islam nicht verstanden und durch diese Niederwerfung den Propheten صلى الله عليه وسلم angebetet. Das Ziel davon ist wiederum, zu zeigen, dass ein Mensch, trotz der Anbetung anderer Dinge neben Allah, ohne weiteres ein Muslim sein könne.

Jemand, der die tatsächliche Bedeutung des Tauhid verstanden hat, muss dies aber ohne zu zögern ablehnen und sicher sein, dass es eine andere Auslegung für diesen Hadith gibt, auch wenn er selbst bislang diese Auslegung nicht kennt.

Auch bei diesem Hadith wird man keinen namhaften frühen Gelehrten finden, der diese beschriebene, falsche Schlussfolgerung formuliert hätte.

Das richtige Verständnis dieses Hadith

Tatsächlich bezweckte Mu'adh ibnu Jabal mit dieser Niederwerfung nicht die Anbetung des Gesandten صلى الله عليه وسلم, und zwar aus folgendem Grund:

Der Sujud teilt sich in zwei Arten, den Sujud zur Anbetung und den Sujud zur Begrüßung. Diese Form der Begrüßung war bei einigen Gesellschaften vor dem Islam gängig. Dabei ging es natürlich auch um eine Geste des Respekts, jedoch nicht im Sinne von Anbetung und Polytheismus.

Um diese Form des Sujud ging es auch bei der Niederwerfung der Engel vor Adam عليه السلام154 und der Niederwerfung der Familie von Yusuf/Josef عليه السلام vor ihm selbst155. Beide Begebenheiten sind ausdrücklich im Koran erwähnt.

In der Shari'ah von Muhammad صلى الله عليه وسلم wurde diese Form der Begrüßung ausnahmslos verboten. Aus dem Hadith geht aber deutlich hervor, dass der Prophetengefährte Mu'adh رضي الله عنه dieses Verbot zum besagten Zeitpunkt noch nicht kannte.

Absurde Folgen der falschen Auslegung dieses Hadith

Gemäß der falschen Auslegung dieses Hadith und der unzulässigen Methode bei der Beweisführung, die dabei angewendet wird, müsste man zu folgenden Schlüssen gelangen:

Auch bei der Betrachtung der folgenden Überlieferungen desselben Hadith werden die oben erwähnten Tatsachen klar. Ahmad überliefert in seinem Musnad von 'Abdullah ibnu Abi Aufa:

عَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ أَبِي أَوْفَى قَالَ قَدِمَ مُعَاذٌ الْيَمَنَ أَوْ قَالَ الشَّامَ فَرَأَى النَّصَارَى تَسْجُدُ لِبَطَارِقَتِهَا وَأَسَاقِفَتِهَا فَرَوَّأَ فِي نَفْسِهِ أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صلى الله عليه وسلم أَحَقُّ أَنْ يُعَظَّمَ فَلَمَّا قَدِمَ قَالَ يَا رَسُولَ اللَّهِ رَأَيْتُ النَّصَارَى تَسْجُدُ لِبَطَارِقَتِهَا وَأَسَاقِفَتِهَا فَرَوَّأْتُ فِي نَفْسِي أَنَّكَ أَحَقُّ أَنْ تُعَظَّمَ فَقَالَ لَوْ كُنْتُ آمِرًا أَحَدًا أَنْ يَسْجُدَ لِأَحَدٍ لَأَمَرْتُ الْمَرْأَةَ أَنْ تَسْجُدَ لِزَوْجِهَا

Mu'adh reiste in den Jemen – oder er sagte: in den Sham156.

Da sah er wie die Christen sich vor ihren Bischöfen und Priestern niederwarfen. So kam in ihm die Überlegung auf, dass der Prophet mehr Recht dazu hätte, geehrt zu werden.

Als er zurückkam, erzählte er dem Propheten صلى الله عليه وسلم davon und sagte ihm: „Da wollte ich dasselbe für dich tun, weil ich dachte, dass du mehr Recht darauf hättest, geehrt zu werden.“

Der Prophet صلى الله عليه وسلم antwortete ihm: „Wenn ich jemandem befehlen würde, dies zu tun, dann würde ich der Frau befehlen, sich vor ihrem Mann niederzuwerfen.“

عَنْ عَبْدِ الرَّحْمَنِ بْنِ أَبِي لَيْلَى عَنْ أَبِيهِ عَنْ مُعَاذِ بْنِ جَبَلٍ قَالَ إِنَّهُ أَتَى الشَّامَ فَرَأَى النَّصَارَى فَذَكَرَ مَعْنَاهُ إِلَّا أَنَّهُ قَالَ فَقُلْتُ لِأَيِّ شَيْءٍ تَصْنَعُونَ هَذَا قَالُوا هَذَا كَانَ تَحِيَّةَ الْأَنْبِيَاءِ قَبْلَنَا فَقُلْتُ نَحْنُ أَحَقُّ أَنْ نَصْنَعَ هَذَا بِنَبِيِّنَا فَقَالَ نَبِيُّ اللَّهِ صلى الله عليه وسلم [...] إِنَّ اللَّهَ عَزَّ وَجَلَّ أَبْدَلَنَا خَيْرًا مِنْ ذَلِكَ السَّلَامَ تَحِيَّةَ أَهْلِ الْجَنَّةِ.

Von 'Abdurrahman ibnu Abi Laila, von seinem Vater, von Mu'adh ibnu Jabal wird überliefert: […] Da sagte ich: „Warum macht ihr das?“ Sie antworteten: „Dies war die Begrüßung der Propheten vor uns.“

Ich sagte: „Wir haben mehr Anrecht darauf, dies für unseren Propheten zu tun.“

Daraufhin erklärte der Prophet صلى الله عليه وسلم: „[…] Allah hat uns etwas Besseres gegeben, (und zwar) den Salam, den Gruß der Leute des Paradieses.“

Fußnoten

  1. Wie zuvor bereits angemerkt: ash-Sham, die Länder im Norden der arabischen Halbinsel.
  2. Warf sich also vor dem Propheten صلى الله عليه وسلم nieder. Das arabische Wort Sujud bedeutet Niederwerfung. Es wird jedoch stellenweise darauf hingewiesen, dass dieses Wort in seinen sprachlichen Bedeutungen auch ähnliche Gesten beschreiben kann.
  3. Siehe für die erstmalige Erwähnung davon im Koran: Sure al-Baqarah, 2:34.
  4. Erwähnt in Sure Yusuf, 12:100
  5. Hierbei handelt es sich um einen Zweifel eines der Überlieferer, der ebenfalls überliefert wurde, um den Wortlaut möglichst authentisch zu überliefern. Darin zeigt sich auch die große Genauigkeit dieser Überlieferer und ihre Aufrichtigkeit. Denn Fehler und Vergesslichkeit bleiben auch beim besten Auswendiglernvermögen eine menschliche Eigenschaft. Jedoch wird nur ein äußerst aufrichtiger Mensch diese Dinge bei einer Überlieferung erwähnen, aus Gottesfurcht und aus Angst, etwas Falsches zu überliefern.