Islam bedeutet Ikhlas - Kein Polytheist erfüllt den Ikhlas
Islam bedeutet, wie anhand mehrerer Texte bereits gezeigt wurde, die Reinigung der Taten vom Polytheismus, was im Arabischen durch das Wort Ikhlas wiedergegeben wird.
Wie zentral die Bedeutung des Ikhlas im Islam ist, zeigt die Aussage eines der frühesten mufassirin/Koran-Exegeten. Es handelt sich um folgende Aussage, welche von Ibnu Abi Hatim ar-Razi in seinem Tafsir überliefert wird:
... عَنِ الرَّبِيعِ، عَنْ أَبِي الْعَالِيَةَ، قَوْلُهُ: {إِنِ الْحُكَمُ إِلَّا لِلَّهِ أَمَرَ أَلَّا تَعْبُدُوا إِلَّا إِيَّاهُ} [يوسف: 40] قَالَ: «أُسِّسَ الدِّينُ عَلَى الْإِخْلَاصِ لِلَّهِ وَحْدَهُ لَا شَرِيكَ لَهُ»
Von Abu l-'Aliyah wird überliefert, in Bezug auf den Koran-Vers „Gewiss, die Regentschaft gehört nur Allah. Er trug euch auf, nur Ihn anzubeten“, dass er sagte: „Die gesamte Religion (Din) wurde auf den Ikhlas gegenüber Allah gegründet, gegenüber Ihm alleine, ohne irgendeinen Partner.“
Die alleinige Anbetung des Schöpfers ist für einen Menschen somit eine unerlässliche Bedingung, um Muslim zu sein. Deshalb ist der Muslim immer auch ein mukhlis111. Wer diesen Ikhlas nicht erfüllt, kann keinesfalls als Muslim angesehen werden.
Aus diesem Grund verstand die islamische Gelehrsamkeit den Ikhlas immer schon als eine Bedingung des Glaubensbekenntnisses (Shahadah). Ist die Bedingung nicht erfüllt, kann die Shahadah nicht aufrecht sein.
Eine gegenteilige Behauptung würde zwangsläufig zur Möglichkeit eines „Muslim Mushrik“ bzw. eines „mukhlis Mushrik“, also eines „polytheistischen Monotheisten“ führen – eine offensichtlich absurde Konstruktion.
Viele Menschen heute hängen jedoch bewusst oder unbewusst genau dieser widersprüchlichen Irrmeinung an. Dies offensichtlich deshalb, weil ihnen das Bewusstsein fehlt, dass der Islam gerade darin besteht, nur Allah سبحانه وتعالى alleine anzubeten und nicht bloß die Existenz eines einzigen Schöpfers anzuerkennen.
Tatsächlich verbreitete sich so die Vorstellung, der wahre Islam bestünde lediglich im bloßen Bekenntnis zur Religion. Wer bloß behauptet ein Muslim zu sein, ist somit auch tatsächlich ein Muslim – was den Islam seines Kerninhalts beraubt und das Glaubensbekenntnis auf ein bloßes Lippenbekenntnis reduziert.
Analog hierzu verhält sich das Beispiel eines Blinden, der behauptet, sehen zu können. Nun behaupten Außenstehende: „Wir wissen zwar, dass diese Person blind ist, meinen aber trotzdem, dass sie gleichzeitig auch sehen kann.“
Die Schlussfolgerung aus einer solchen Aussage kann im Grunde nur sein, dass so jemand die Bedeutung der Blindheit oder des Sehens nicht kennt und deshalb nicht unterscheiden kann – oder aber mutwillig auf diesem Widerspruch beharrt.
Wie aus dem bisher Gesagten also klar wurde, beschreibt das Wort „Muslim“ eine gewisse Bedeutung, die Taten und Eigenschaften beinhaltet, welche ein Mushrik unmöglich verwirklichen kann.
Dies ist auch insofern völlig klar, da es sich beim Shirk um den exakten Gegensatz zum Islam handelt, weshalb sich diese beiden Dinge auch nie in einer Person vereinen können.
„Ein Mensch, der nur Allah anbetet“, kann nicht gleichzeitig „ein Mensch, der neben Allah etwas anderes anbetet“ sein.
Fußnoten
- Das Partizip aktiv des Wortes Ikhlas, also „der Reinigende“. ↩