Biografie des Verfassers, Ibnu Abi Hatim ar-Razi
Abu Muhammad 'Abdurrahman ibnu Abi Hatim ar-Razi war einer der bedeutenden frühen Gelehrten des Islam. Er zeichnete sich vor allem in den Wissenschaften des Hadith2 und der Qur'an-Exegese, also dem Tafsir aus.
Der eigentliche Name von Ibnu Abi Hatim3 war also 'Abdurrahman, seine Kunyah – also sein Vatername – Abu Muhammad4.
Ibnu Abi Hatim wurde, wie die Biografen im Allgemeinen berichten, im Jahr 240 n. H. (854 n. Chr.) geboren [es gibt daneben andere leicht abweichende Angaben] und verstarb im Jahr 327 n. H. (938 n. Chr.). Er wurde demnach 87 Jahre alt – رحمه الله, möge Allah sich seiner erbarmen.
In dieser langen Lebenszeit war Ibnu Abi Hatim dafür bekannt, sich unablässig mit den islamischen Wissenschaften zu beschäftigen und dies erklärt auch, wie er es mit der Hilfe Allahs vermochte, mehrere sehr bedeutende Werke in verschiedenen Wissenschaften zu schreiben.
Eines der bedeutendsten Werke von Ibnu Abi Hatim ist sein umfassender Tafsir, welcher ohne Zweifel eine entscheidende Rolle bei der Überlieferung des Tafsir der Salaf5 spielte. Die Errungenschaften dieses Gelehrten bei der schriftlichen Sammlung der verschiedenen Aussagen der Salaf über den Tafsir sind mit einem Wort unschätzbar.
Ibnu Abi Hatim war aber wie gesagt vor allem einer der bedeutenden frühen Hadith-Gelehrten und verfasste auch in diesem Gebiet gleich mehrere Standardwerke. Davon sind vor allem folgende Werke zu erwähnen:
- Al-Jarhu wa-t-Ta'dil: Ein Buch über die Biografien und Einschätzungen der Überlieferer des Hadith. Dieses Buch ist zweifelsohne eines der wichtigsten und entscheidendsten Werke der Wissenschaft über die Überlieferer des Hadith, welche als Al-Jarhu wa-t-Ta'dil bzw. als 'Ilmu r-Rijal benannt wird.
Alle späteren Gelehrten dieses Wissensgebietes stützten sich auf dieses Werk. Es gilt somit als unerlässlich in dieser Wissenschaft. Dies bekräftigt die große Bedeutung Ibnu Abi Hatims für die islamischen Wissenschaften.
Schon der Vater von Ibnu Abi Hatim, Abu Hatim ar-Razi, war ein Gelehrter des Hadith und im Speziellen des Al-Jarhu wa-t-Ta'dil. Dieses Wissen gab er an seinen Sohn weiter, weshalb man in dem genannten Werk auch immer wieder sieht, wie sich Ibnu Abi Hatim auf seinen Vater bezieht.
- Al-'Ilal bzw. 'Ilalu l-Hadith: Auch dieses Buch ist ein entscheidendes Werk in seinem Fachgebiet, der Wissenschaft der Schwachstellen (al-'ilal) in den Hadithen bzw. ihren Überlieferungsketten.
Ibnu Abi Hatim lernte von zahlreichen großen Gelehrten, vor allem aber von seinem Vater, Abu Hatim ar-Razi, und von Abu Zur'ah ar-Razi, der ebenfalls als ein sehr großer Gelehrter gilt und ein Gefährte von Abu Hatim war. Diese beiden Gelehrten sind auch bekannt als ar-Raziyan – die beiden Razi-Gelehrten –, von denen unter anderem die kurze und zunehmend bekannter werdende Schrift 'Aqidatu r-Raziyain, „die Glaubensgrundlagen der beiden Razi-Gelehrten“, stammt. Diese Schrift wurde von Ibnu Abi Hatim niedergeschrieben und überliefert.
Im Folgenden soll einiges über die beiden hauptsächlichen Lehrer von Ibnu Abi Hatim erwähnt werden, da durch die Kenntnis der Lehrer die Stellung dieses Gelehrten klarer wird. Zudem sammelte Ibnu Abi Hatim das Wissen dieser beiden Imame und verarbeitete es in seiner langen Lebenszeit mit einer erstaunlichen Leistung und Konsequenz. Die Kenntnis dieser beiden Imame und ihres Wirkens gibt somit auch Aufschluss über Ibnu Abi Hatim und seine Werke.
Fußnoten
- Ein Hadith ist eine Überlieferung vom bzw. über den Propheten صلى الله عليه وسلم. Die Gesamtheit solcher Überlieferungen wird Sunnah genannt und stellt neben dem Koran die zweite primäre Rechtsquelle des Islam dar. (Der Plural von Hadith lautet Ahadith, wird aber häufig – wie auch in diesem Buch – dem deutschen Sprachgebrauch angepasst, z. B.: die Hadithe.) Dabei ist zu beachten, dass es in der Frühzeit des Islam gängig war, auch Überlieferungen von den ersten nachfolgenden Generationen als Hadith zu bezeichnen. Die Unterscheidung zwischen Hadith für eine Überlieferung vom Propheten im Speziellen und Athar (Pl. Athar) für sonstige Überlieferungen manifestierte sich erst später, wurde aber auch nicht von allen Hadith-Wissenschaftlern übernommen. In diesem Sinne ist es nicht falsch, in Bezug auf die Überlieferungen der ersten Generationen ganz allgemein von Hadith-Überlieferung, Hadith-Wissenschaft bzw. Hadith-wissenschaftlichen Werken zu sprechen. ↩
- Der Name Ibnu Abi Hatim bedeutet wörtlich im Arabischen: Der Sohn von Abu Hatim. Diese Namensform beschreibt also den Vater einer Person und war eine bei den Arabern übliche Namensform. ↩
- übersetzt also: Der Vater von Muhammad ↩
- Die Altvorderen bzw. frühen rechtschaffenen Muslime und im Besonderen die bedeutenden Gelehrten jener Generationen. ↩