Informationen zur Druckausgabe und zu den handschriftlichen Manuskripten
Der Tafsir von Ibnu Abi Hatim liegt erst seit relativ kurzer Zeit in gedruckter Form vor und musste aus einem handschriftlichen Manuskript übertragen werden, was klarerweise viel Arbeit und Zeit beansprucht und diverse Schwierigkeiten mit sich bringt. Beispielsweise ist die frühere Handschrift sehr viel schwerer zu lesen, zumal einige Stellen auch durch Verwitterung unkenntlich wurden.
Es sei angemerkt, dass es sich bei diesen Handschriften selbstverständlich nicht um die direkte Handschrift von Ibnu Abi Hatim, sondern um Kopien seiner Handschrift bzw. Kopien der Kopien handelt.
Die einzelnen Überlieferungen wurden immer wieder in späteren Werken zitiert, vor allem von Autoren ab dem achten und neunten Jahrhundert und danach. Im Besonderen sind hier als Quellen der Tafsir von Ibnu Kathir zu nennen sowie das Sammelwerk Ad-Durru l-Manthur von as-Suyuti10. Diese Zitate vieler Überlieferungen aus dem ursprünglichen Tafsir belegen die Authentizität des Werkes, da sie sich mit dem handschriftlichen Manuskript decken.
Zudem wird die Authentizität dieses Tafsir dadurch bekräftigt, dass oftmals dieselben Überlieferungen auch in anderen Tafasir, wie beispielsweise dem Tafsir von at-Tabari, zu finden sind. Wobei die beiden Autoren dieselben Texte unabhängig voneinander mit ihren jeweiligen Überlieferungsketten überlieferten, stimmen sie im Allgemeinen überein. Dies zeigt deutlich, dass diese Überlieferungen zur Auslegung des Qur'an damals ganz allgemein in der muslimischen Gemeinschaft bekannt und geläufig waren. Sie wurden in den verschiedenen Ländern und Städten des islamischen Großreichs gelernt, gelehrt und schriftlich weitergetragen.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegen eine ältere und eine neuere Druckversion des Tafsir von Ibnu Abi Hatim vor11, wobei die alte Version mehrere Fehler beinhaltet, die bei der Übertragung aus der Makhtutah12 vorgefallen sind. Die zweite Version ist im Vergleich dazu in diesem speziellen Kontext hochwertiger. Darüber hinaus ist sie um einiges umfangreicher als die erste, da zahlreiche Kommentare zu den Überlieferungsketten, die Ibnu Abi Hatim anführt, hinzugefügt wurden. Der Kommentar, das umfassende Vorwort und mehrere Verzeichnisse nehmen dabei einen großen Teil dieser Ausgabe ein.
Allerdings wird diese Ausgabe mehrfach scharf kritisiert, da in den Kommentaren auf eine Weise mit den Überlieferungen der Salaf umgegangen wird, die nicht der Vorgehensweise der frühen Gelehrten entspricht, worauf später noch genauer eingegangen wird.
Hierbei sollte erwähnt werden, dass der Tafsir von Ibnu Abi Hatim im Allgemeinen und auch diese neuere Druckausgabe aus mehreren Bänden besteht, welche von unterschiedlichen Editoren bearbeitet wurden, wodurch zwischen den einzelnen Bänden gewisse Unterschiede in der Vorgehensweise erkennbar sind. Die angesprochenen Kritikpunkte beziehen sich aber auf die Vorgehensweise in dem Werk im Allgemeinen.
Für diese neuere Druckausgabe haben die Editoren die verschiedenen handschriftlichen Manuskripte untereinander und mit Überlieferungen, die in späteren Tafasir zitiert wurden, verglichen. Wie bereits erwähnt, sind die heute vorliegenden handschriftlichen Manuskripte nicht vollständig. Überlieferungen, die sich nicht im heute vorliegenden, handschriftlichen Manuskript befinden, aber in einem späteren Tafsir-Werk als Zitat aufscheinen, wurden von den Editoren der Druckausgabe hinzugefügt.
Die größeren fehlenden Abschnitte wurden in einem eigenen Teil der Druckausgabe gesammelt, weshalb die Ausgabe aus zwei Teilen besteht. Ein Teil, der sich in der vorhandenen Makhtutah befindet13, und ein zweiter Teil, der aus den Zitaten in anderen Werken zusammengetragen wurde. Auch dieser zweite Teil ist im Grunde genommen als authentisch zu bewerten, da auch jene späteren Autoren, abgesehen davon wie ihre sonstigen Qualitäten zu bewerten sind, vertrauenswürdig in der Überlieferung waren, wie sich anhand von vielen weiteren ihrer Überlieferungen feststellen lässt. Durch den Vergleich mit den jeweiligen Originalwerken zeigt sich deutlich, dass diese Autoren die Originaltexte vertrauenswürdig zitierten.
Fußnoten
- In Bezug auf die Nennung späterer Autoren (muta'akhirin) sei hier darauf hingewiesen, dass dabei ganz grundsätzlich nicht die Güte und Richtigkeit der jeweiligen Personen und all ihrer Aussagen und Überzeugungen bekundet wird. Es geht z. B. an dieser Stelle im Text lediglich darum, aufzuzeigen, in welchen Werken Überlieferungen von Ibnu Abi Hatim zahlreich überliefert wurden. ↩
- Es handelt sich um folgende zwei Ausgaben: • Die ältere Ausgabe aus dem Jahr 1417 n. H. / 1997, erste Ausgabe, erschienen bei Maktabatu Nazar Mustafa al-Baz - Mekka / Riad • Die neuere Ausgabe aus dem Jahr 1439 n. H. / 2018, erste Ausgabe, erschienen bei Dar Ibnu l-Jauzi - Dammam Diese Ausgabe von Dar Ibnu l-Jauzi wurde auch als Grundlage für die Vortragsreihe genommen, auf der dieses vorliegende Buch basiert. In der weiteren Beschreibung zu den Druckausgaben ist, wenn nichts anderes erwähnt wird, diese Ausgabe gemeint. Die Ausgabe hat – einschließlich des Vorworts, das einen eigenen Band bildet – insgesamt 17 Bände, die sich folgendermaßen aufteilen: • Die Bände 1 bis 12 sind der eigentliche Tafsir von Ibnu Abi Hatim, der dem heute noch vorliegenden handschriftlichen Manuskript entstammt. • Der Band 13 umfasst die Überlieferungen, die in den heutigen Makhtutat nicht enthalten sind und von den Editoren aus anderen Werken gesammelt und hinzugefügt wurden. • Band 14 bis 16 umfasst verschiedene wissenschaftliche Verzeichnisse. ↩
- also dem handschriftlichen Manuskript, Pl. Makhtutat ↩
- Dieser Teil wird in der älteren Druckausgabe als Asil, im Sinne von „ursprünglich“, bezeichnet. ↩