Überlieferungsweg von Muqatil ibnu Hayyan
وَمَا ذَكَرْنَا فِيهِ عَنْ مُقَاتِلٍ فَهُوَ مَا:
قَرَأْتُ عَلَى مُحَمَّدِ بْنِ الْفَضْلِ بْنِ مُوسَى، عَنْ مُحَمَّدِ بْنِ عَلِيِّ بْنِ الْحَسَنِ بْنِ شَقِيقٍ، عَنْ مُحَمَّدِ بْنِ مُزَاحِمٍ، عَنْ بُكَيْرِ بْنِ مَعْرُوفٍ، عن مقاتل
Und das, was wir von Muqatil erwähnten, so ist es:
Was ich Muhammad ibnu l-Fadl ibni Musa vorlas, von Muhammad ibnu 'Aliyy ibni l-Hasan ibni Shaqiq, von Muhammad ibnu Muzahim, von Bukair ibnu Ma'ruf, von Muqatil.
Hier taucht eine neue Überlieferungsformel auf, und zwar „ich las vor“. Dies sagt aus, dass, in diesem Fall Ibnu Abi Hatim, seinem Shaikh, hier Muhammad ibnu l-Fadl ibni Musa, den Text vorlas, den dieser dann bestätigte.
Die Person, die hier den Tafsir äußerte, ist nicht Muqatil ibnu Sulaiman, sondern Muqatil ibnu Hayyan. An anderer Stelle wurde bereits erwähnt53, dass Muqatil ibnu Sulaiman in der Überlieferung als schwach galt. Sein Tafsir wurde zwar von einigen frühen Gelehrten inhaltlich als gut befunden, seine Überlieferungen galten jedoch als schwach.
Hierbei ist zu erwähnen, dass Muqatil ibnu Sulaiman (gest. 150 n. H.) in seinem kurzgefassten Tafsir die Auslegung des Qur'an vornimmt, ohne diese im Allgemeinen mit Überlieferungsketten auf frühere Personen zurückzuführen. Er ist also im Hinblick auf Überlieferungen anhand von Überlieferungsketten, selbst im Bereich des Tafsir, nicht von großer Bedeutung, da er von Überlieferungsketten nicht viel verstand und sich allein auf die Bedeutung konzentrierte.
Sein Tafsir an sich ist jedoch bedeutend, da es sich dabei um den ersten vollständig erhaltenen Tafsir überhaupt handelt. Die Bedeutungen der Qur'an-Auslegung lernte Muqatil ibnu Sulaiman von etlichen Gelehrten der Tabi'in. Wie gesagt überlieferte er dabei aber nicht unbedingt alles wortgetreu, sondern im Hinblick auf die Bedeutung und vor allem ohne Überlieferungsketten.
Aufgrund der erwähnten Umstände, überlieferte Ibnu Abi Hatim also nicht von Muqatil ibnu Sulaiman. Mit Muqatil ist hier Muqatil ibnu Hayyan gemeint, der selbst ein Mufassir und in der Überlieferung sicher um einiges stärker war, als Muqatil ibnu Sulaiman.
Eine weitere Person in dieser Kette ist Muhammad ibnu Muzahim. Der Name könnte auf eine Verwandtschaft zu ad-Dahhak ibnu Muzahim hindeuten. Dieser hatte nämlich zwei Brüder, von denen einer Muhammad hieß. Es handelt sich bei der hier erwähnten Person allerdings nicht um den Bruder von ad-Dahhak ibnu Muzahim.
Ibnu Abi Hatim schreibt dazu etwas in seinem Buch Al-Jarhu wa-t-Ta'dil im „Kapitel über die Nennung derjenigen, von denen das Wissen überliefert wurde, von denjenigen, die Muhammad genannt werden und deren Vater Muzahim hieß.“
In diesem Kapitel des Buches werden nur zwei Personen aufgelistet. Davon ist der eine „Muhammad ibnu Muzahim, der Bruder von ad-Dahhak“. Ibnu Abi Hatim überliefert hier von seinem eigenen Vater, dass jener Muhammad ibnu Muzahim sehr schwach, „munkaru l-Hadith“ bzw. „matruku l-Hadith“, war, was eine sehr harte Kritik darstellt und bedeutet, dass von ihm an sich keine Hadithe genommen werden.
Um diese Person handelt es sich also nicht in der Überlieferungskette, sondern um denjenigen, den er als zweites erwähnt, Muhammad ibnu Muzahim Abu Wahb der Bruder von Sahl ibnu Muzahim al-Marwazi, der ca. 209 oder 211 n. H. verstorben ist, also etwas mehr als einhundert Jahre nach ad-Dahhak, der etwa 105 n. H. verstarb. Die beiden Personen mit dem Namen Muhammad ibnu Muzahim lebten also zu einer ganz unterschiedlichen Zeit.
Dieses Beispiel bietet auch Einblicke in die Wichtigkeit der Biografien und die Unterscheidung von Namen und Beinamen, welche die Gelehrten in der Wissenschaft der Überlieferer ('Ilmu r-Rijal) studierten.
Mit dieser Überlieferungskette endet das Vorwort des Tafsir von Ibnu Abi Hatim ar-Razi رحمه الله.
Fußnoten
- In diesem Buch vorausgehenden Vorträgen sowie in einer längeren Fußnote zu Muqatil ibnu Sulaiman. Siehe dazu die Fußnote Nr. 58, Seite 70 in „Die Lehre des Monotheismus“, erste Ausgabe 2021, vom Verfasser des vorliegenden Buches. ↩