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Geiz und Heuchelei … und die Folgen davon

Volltext-Kapitel aus der Schrift Die Unterstützung des islamischen Wissens · Als PDF lesen

Entsprechend den bereits erwähnten Punkten sagt Allah im Qur'an hierzu sehr eindringlich in der letzten Ayah in Suratu Muhammad [47: 38]:

هَا أَنْتُمْ هَؤُلَاءِ ‌تُدْعَوْنَ ‌لِتُنْفِقُوا فِي سَبِيلِ اللَّهِ فَمِنْكُمْ مَنْ يَبْخَلُ وَمَنْ يَبْخَلْ فَإِنَّمَا يَبْخَلُ عَنْ نَفْسِهِ وَاللَّهُ الْغَنِيُّ وَأَنْتُمُ الْفُقَرَاءُ وَإِنْ تَتَوَلَّوْا يَسْتَبْدِلْ قَوْمًا غَيْرَكُمْ ثُمَّ لَا يَكُونُوا أَمْثَالَكُمْ (٣٨)

„Da werdet ihr aufgerufen, um fi sabilillah zu spenden. Und unter euch gibt es welche, die geizen werden.

Doch wer geizt, der geizt nur sich selbst gegenüber. Und Allah ist Der absolut Autarke und ihr seid die Armen.

Und wenn ihr den Rücken kehrt, tauscht Er euch gegen andere Leute aus, dann werden sie nicht euresgleichen sein.“

[Suratu Muhammad, 47:38]

Dieser eine Vers alleine müsste einem Menschen mit Verstand und Iman sehr zu denken geben und in ihm darüber hinaus Furcht vor dieser Art der Strafe erzeugen.

Es ist ein Zeichen des Nifaq, der Heuchelei, dass ein Mensch immerzu Ausreden findet, um nicht zu Spenden für das Wissen, den Din und die Da'wah. Wenn Leute so sind und in dieser Hinsicht geizen, dann wird Allah sie austauschen und durch Leute ersetzen, die besser als sie und nicht geizig sind.

Leute, in deren Herzen etwas vom Geiz und/oder der Heuchelei ist, werden nicht müde, Ausreden zu finden.

Z. B. geben sie vor, sie wüssten ja nicht, wie sich ein Mensch, den sie jetzt unterstützen, in Zukunft entwickeln wird. Was, wenn er in die Irre geht und man dann so jemanden unterstützt hätte.

Die Krankheit in diesen Gedanken ist für jedes gesunde Herz offensichtlich. Allah verlangt dem Menschen nicht ab, in die Zukunft zu blicken. Sobald ein Muslim mit reinem Gewissen und reiner Absicht in vernünftiger Weise Geld für den Islam gibt, ist ihm sein Lohn grundsätzlich sicher, sobald das Geld seine Hand verlassen hat.

Andere meinen, dass im Qur'an [36:21] steht, man soll denjenigen Menschen folgen, die nicht um Bezahlung fragen, und zwar die Propheten عليهم السلام.

Während dem Befolgen ihrer Neigungen vergessen diese Menschen, dass der Gesandte des Islam صلى الله عليه وسلم die Leute zum Spenden aufgerufen hat und es einen erheblichen Unterschied gibt, ob jemand sich an der Arbeit für den Islam persönlich bereichert oder ob er diese Gelder nimmt und für die Da'wah verwendet.

Würde man dies weiter denken, würde es letztlich zum Kufr führen, da so jemand aussagt, dass der Prophet selbst صلى الله عليه وسلم dem Qur'an widersprochen hätte und man ihm nicht folgen dürfe!

Wieder andere argumentieren mit dem Vers 2:41, man dürfe sich ja nicht mit den Ayat von Allah einen geringen Lohn erkaufen, was ebenso offensichtlicher Unsinn ist, wenn es darum geht, Geld zu nehmen, um es für die Da'wah zu verwenden.

Solche Scheinargumente, um den eigenen Geiz zu rechtfertigen, gibt es viele. Die Leute der Heuchelei waren immer schon sehr aktiv im Hervorbringen aller möglichen Ausreden.

Die meisten Muslime meinen sehr gut zu wissen, welche Pflichten ein Gelehrter oder Student des islamischen Wissens hat. Sie können sehr viel darüber sprechen, dass solche Leute das Wissen weitergeben müssen und wann sie – angeblich – ihre Verantwortung dabei nicht getragen haben. Dabei ist es ihnen auch ganz egal, wie schwer die Umstände solcher Leute mit Wissen sind.

Was solche Menschen scheinbar jedoch völlig außer Acht lassen, ist, dass sie selber ihrer Verpflichtung nicht nachkommen, diesen wissenderen Personen ihre Arbeit überhaupt zu ermöglichen.

In Bezug auf alles Gesagte ist auch ganz allgemein zu beachten, dass es ein Teil der geldlichen Verpflichtungen im Islam ist, dieses Geld aktiv an die entsprechende Stelle zu bringen und das dafür Notwendige zu tun. Man kann also nicht sagen: „Ich würde ja etwas geben, aber mich hat niemand gefragt!“ oder „Ich wusste nicht Bescheid, dass etwas gebraucht wird“.

Es ist ein Teil der geldlichen Verpflichtungen, wie der Zakat, dass sich der Muslim darum kümmert, die Pflicht zu erfüllen. Er kann sich nicht darauf ausreden, dass er ja zuhause gesessen und darauf gewartet hat, dass endlich jemand kommt und ihn um Unterstützung bittet, aber eben niemand kam.

Zu diesen Verpflichtungen gehört also, sich zu überlegen:

Diese Punkte gelten nicht nur für Leute, die in der Da'wah arbeiten, sondern für alle Bedürftigen, wie Waisen, bei denen die Eltern oder ein Elternteil gestorben sind, Witwen und Witwer, Leute in schweren Situationen wie Krankheit, Schulden, Gefängnis usw.

Umso mehr gilt das Gesagte bei Leuten, bei denen sich mehrere solche Rechte (Huquq) vereinen.

Wenn man die muslimische Community im deutschsprachigen Raum heute betrachtet, dann sieht man häufig enorme Verfehlungen in diesen Punkten. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die Strafe des Irregehens und dass Allah so eine Gesellschaft durch eine andere, würdigere austauscht, sind in keiner Weise abwegig.

Umso stärker treten in so einer Gesellschaft die positiven Eigenschaften der wenigen Menschen hervor, die fortlaufend immer bedacht sind, sich für das islamische Wissen und die Wissensvermittlung einzusetzen.

Es gibt Leute, die selbst fast nichts haben, aber dennoch irgendwie versuchen mit einem kleinen Betrag das islamische Wissen zu fördern, während andere im Geld schwimmen, aber gar nichts oder kaum etwas geben.

Möge Allah also jene aufrichtigen Muslime mehren und ihnen ihre Taten mit dem Besten vergelten. Und möge Allah uns allen zu Aufrichtigkeit, mehr Wissen und mehr Taten verhelfen. Amin.

Siehe zu dem Thema auch die Freitagsansprache „Das Spenden auf dem Wege Allahs“.

Allahu a'lam ... und Allah weiß es am besten.

وصلّى الله على نبيّنا محمّد وآله وصحبه ومن والاه

والحمد لله ربّ العالمين