Die problematische Befassung mit der verwerflichen Philosophie
Eine allgemeine Problematik, die hier auch erwähnt werden sollte, ist, dass viele englische Prediger selbst aus dem Bereich der Philosophie kommen, welche bei den frühen Gelehrten der ersten Jahrhunderte scharf verurteilt und strikt abgelehnt wurde. Bei jener verwerflichen Philosophie geht es nicht um banale logische Zusammenhänge, wie dass Eins und Eins Zwei ergibt oder die Folge zeitlich nach der Ursache stattfindet. Vielmehr ging es darum, dass Menschen in der islamischen Welt begannen, Regeln der Philosophie zu erlernen und dadurch die Natur und das Wesen des Schöpfers zu ergründen.
Diese Regeln wurden zudem von Nicht-Muslimen aufgestellt, wie den griechischen Philosophen, die weit von einem gesunden Monotheismus-Verständnis entfernt waren. Abgesehen davon unterscheidet sich der Verstand von Menschen und damit auch die Schlussfolgerungen, die sie anstellen. Wenn die islamischen Glaubensgrundlagen dem Verstand unterworfen würden, wäre eine unklare und widersprüchliche Lehre die unvermeidliche Konsequenz.
Die Glaubensgrundlagen müssen im Gegensatz zu den Abschweifungen der Mutakallimin deutlich durch die islamischen Quelltexte erklärt sein. Und genau dies veranlasste die frühen Gelehrten über Jahrhunderte hinweg zur geschlossenen Ablehnung der verwerflichen Philosophie. Ein Beispiel ist diese Aussage von asch-Schafi'i, welche überliefert wurde von Abu Nu'aim al-Asbahani in Hilyatu l-Awliya' wa Tabaqatu l-Asfiya':
… ثَنَا أَبُو مُحَمَّدِ بْنُ أَبِي حَاتِمٍ، ثَنَا يُونُسُ بْنُ عَبْدِ الْأَعْلَى، سَمِعْتُ الشَّافِعِيَّ، يَقُولُ: «لأَنْ يُبْتَلَى الْمَرْءُ بِكُلِّ مَا نَهَى اللهُ عَنْهُ مَا عَدَا الشِّرْكَ بِهِ خَيْرٌ مِنَ النَّظَرِ فِي الْكَلَامِ، فَإِنِّي وَاللهِ اطَّلَعْتُ مِنْ أَهْلِ الْكَلَامِ عَلَى شَيْءٍ مَا ظَنَنْتُهُ قَطُّ»
… es berichtete uns Yunus ibnu 'Abdil-A'la: Ich hörte asch-Schafi'i sagen: „Dass ein Mensch mit allem geprüft wird, was Allah verboten hat, abgesehen vom Schirk, ist besser für ihn als der Blick in die Philosophie. Ich habe – bei Allah – von der Philosophie Dinge gesehen, die ich mir (vorher) nie vorstellen hätte können.“
Die Muslime im englischsprachigen Raum werden letztlich ihre eigene wissensmäßige Herkunft hinterfragen müssen. Wer von Anfang an die Philosophie nach westlichem Muster gelernt und sie zudem über viele Jahre auf islamisch-theologische Fragestellungen angewendet hat, wird zwangsläufig nicht voll und ganz der Methodik der frühen Muslime folgen können. Es ist klar, dass dies vorher einen längeren Prozess erfordert, bei dem sich die Menschen als erstes ein fundiertes Wissen über die Bücher der frühen Muslime verschaffen müssen.
Es reicht hierbei nicht aus, sich zur Untermauerung der eigenen Vorgehensweise dem Argument zu bedienen, dass eine wissende Person aus den späteren Jahrhunderten, sich ebenfalls der Philosophie bediente, um falsche Ansichten gewisser Sekten zu widerlegen. Wer die Bücher der frühen Muslime liest, der sieht in ihren Aussagen, dass sie diese Vorgehensweise ausdrücklich ablehnten, wobei sie näher zur Quelle des Islam waren und ein besseres Verständnis als spätere Gelehrte hatten.
So überliefert ebenso Abu Nu'aim in Hilyatu l-Awliya' Folgendes von 'Abdurrahman ibnu Mahdiy:
قِيلَ لِعَبْدِ الرَّحْمَنِ بْنِ مَهْدِيٍّ: إِنَّ فُلَانًا قَدْ صَنَّفَ كِتَابًا فِي السُّنَّةِ رَدًّا عَلَى فُلَانٍ. فَقَالَ عَبْدُ الرَّحْمَنِ: رَدًّا بِكِتَابِ اللَّهِ وَسُنَّةِ نَبِيِّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ؟ قِيلَ: بِكَلَامٍ. قَالَ: رَدَّ بَاطِلًا بِبَاطِلٍ.
Es wurde zu 'Abdurrahman ibnu Mahdiy gesagt: „Jemand hat ein Buch über die Sunnah geschrieben, als Widerlegung gegen jenen (Mann).“ Da sagte 'Abdurrahman: „Eine Widerlegung mit dem Buch Allahs und der Sunnah seines Propheten – Allahs Frieden und Segen seien auf ihm?“ Es wurde gesagt: „(Nein, eine Widerlegung) anhand von Philosophie.“ Er sagte: „(Das ist) eine Widerlegung von Falschem durch Falsches.“
Diese Aussage ist nur ein Beispiel für den mehrfach überlieferten Standpunkt der frühen Gelehrten in Bezug auf diese Angelegenheit. Stattdessen pflegten die Salaf das Richtige durch die islamischen Quelltexte zu erklären und das Falsche ebenso durch die Texte zu widerlegen.
In as-Sunnah führt al-Khallal folgende Aussage von Imam Ahmad an:
وَلَوْ تَدَبَّرَ إِنْسَانٌ الْقُرْآنَ كَانَ فِيهِ مَا يَرُدُّ عَلَى كُلِّ مُبْتَدِعٍ بِدْعَتَهُ
"Wenn ein Mensch über den Qur'an nachdenkt, so befindet sich in ihm das, was die Bid'ah (Neuerung) eines jeden Erneuerers widerlegt."
Al-Khallal führt in as-Sunnah zudem folgende treffende Aussage von asch-Scha'bi an:
مَا ابْتُدِعَ فِي الْإِسْلَامِ بِدْعَةٌ إِلَّا وَفِي كِتَابِ اللَّهِ عَزَّ وَجَلَّ مَا يُكَذِّبُهَا
"Zu jeder Bid'ah, die in Bezug auf den Islam ersonnen wurde, gibt es im Buche Allahs - mächtig und erhaben ist Er - das, was sie als Lüge entlarvt."
Die heftige Ablehnung der Philosophie wurde dabei wiederum von den frühen Muslimen allgemein praktiziert, von bekannten Leuten wie Malik und asch-Schafi'i, also nicht bloß von Hanbaliten, die erst nach Ahmad in Erscheinung traten.