Nicht alles ist authentisch überliefert – Angeblicher Text von 'Umar ibnu l-Khattab رضي الله عنه
Nicht alles, was den Salaf zugeschrieben wird, ist authentisch überliefert. Nur weil etwas den Salaf zugeschrieben wird, kann man also nicht davon ausgehen, dass diese Aussage auch sicher in dieser Form von ihnen stammt.
Auch das kann man wiederum an einem Buch sehen, dass deshalb nützlich ist, weil es viele Mutun der Salaf zur islamischen 'Aqidah in einem Werk vereint. Auch dies also zweifelsohne eine nützliche Arbeit aus der man profitieren kann. Heißt dies jedoch, dass man alles ungeprüft übernehmen kann oder soll?
Die erste 'Aqidah, die in dem Werk erwähnt wird, soll von 'Umar ibnu l-Khattab (gest. 32 n. H. رضي الله عنه) stammen, ein kurzer Text über al-Qadar, also die Vorherbestimmung.
Zu finden ist dieser Text, soweit allgemein bekannt, nur in einem Buch von 'Abdu r-Rahman ibnu Mandah (gest. 470 n. H.). Der Autor des hier thematisierten Werkes selbst erklärt, dass er den kurzen Text nur dort gefunden hat.
Schließlich erwähnt der Autor, dass diese 'Aqidah durch einen feststehenden Isnad ihrem angeblichen Verfasser zugeschrieben werden könne, als er sagt:
وهي رسالة ثابتة الإسناد إلى عمر رضي الله عنه
Dem wird jedoch von anderen ausdrücklich widersprochen. Sie meinen, dass dieses angebliche Schreiben sicher nicht dem zweiten Kalifen zugesprochen werden kann. Vielmehr hätte irgendjemand diesen Text 'Umar fälschlicherweise zugeschrieben. Es handle sich also um eine Unwahrheit.
Dafür werden vor allem folgende Gründe genannt, die aus Sicht der Hadith-Wissenschaft und anderer islamischer Wissenschaften durchaus schwerwiegend sind:
- Wenn diese Schrift wirklich thabitah wäre, also korrekt von 'Umar رضي الله عنه überliefert wurde, dann ist es kaum vorstellbar, dass niemand von den frühen Gelehrten des Hadith diese Schrift in seinem Buch überlieferte.
- Aus Sicht der Hadith-Wissenschaft ist es ein Zeichen der Schwäche, wenn die Gelehrten niemals einen Text wie diesen erwähnten, aber gleichzeitig Teile davon von späteren Personen überlieferten.
Hierbei sagt man: Wäre der Text tatsächlich von 'Umar ibnu l-Khattab, dann hätten die Gelehrten nicht einzelne Teile dieses Textes von Personen nach 'Umar überliefert und die Aussage vom früheren Gelehrten – in dem Fall 'Umar ibnu l-Khattab – vernachlässigt.
- Der Isnad ist nicht feststehend, wie der Autor meinte, sondern es befindet sich darin jemand, der schwach ist bzw. sogar als Lügner bezeichnet wurde.
- Die Angelegenheit des Qadar, die Verwerfungen darüber und die Aussagen einiger Sekten dazu, waren zur Zeit von 'Umar noch nicht in Erscheinung getreten. Vielmehr war es sein Sohn 'Abdullah ibnu 'Umar رحمهما الله, welcher damit konfrontiert wurde, wie man im ersten Hadith im Sahih Muslim bekanntermaßen lesen kann.
Das sind also gewichtige Gründe, die dafür angegeben werden, dass dieser Text nicht von 'Umar stammt, sondern entweder aus einem Fehler heraus oder durch eine Lüge 'Umar zugeschrieben wurde. wallahu a'lam.
Wiederum ist das Werk an sich deshalb wie gesagt nicht als Ganzes unbrauchbar. Im Gegenteil, man kann man aus den darin überlieferten 'Aqa’id sicherlich viel Nutzen ziehen – möge Allah dem Verfasser zum Besten verhelfen, amin.
Jedoch sieht man an diesem Beispiel auch, dass nicht alles automatisch den Salaf zugeschrieben werden kann, nur weil dies irgendwo so geschrieben steht.
Wenn solche Fragestellungen schon bei Büchern auftreten können, deren Verfasser lange Zeit mit den Aussagen der Salaf verbrachten, dann kann man sich wiederum denken, wie vorsichtig man bei irgendwelchen Leuten im deutschsprachigen bzw. nicht-arabischen Raum sein muss. Speziell wenn diese gerade erst vor einigen Jahren begannen, Arabisch zu lernen, oder Ähnliches.
Das obige Beispiel zeigte also, dass nicht jede einzelne Aussage automatisch und mit völliger Sicherheit als authentisch betrachtet werden kann.