Der Aufruf der Propheten عليهم السلام und die Reaktion der Menschen
Aus den vorausgehenden Erklärungen wurde also klar, worin gemäß den islamischen Quellen der Aufruf aller Propheten bestand. Sie alle riefen ihre Völker zur alleinigen Anbetung Allahs und zum alleinigen Gehorsam Ihm gegenüber.
Infolgedessen kam es geschichtlich zu einer Auseinandersetzung zwischen Monotheismus und Polytheismus, einer Auseinandersetzung zwischen den Propheten عليهم السلام und ihren Gegnern, welche in den Texten des Koran immer wieder aufscheint … und ebenso in den heute vorliegenden Versionen der Thora und des Evangeliums.
Im Koran wird berichtet, wie jene, die die Botschaft ablehnten, sich lustig machten und ihren jeweiligen Propheten عليه السلام antworteten:
﴿مَا سَمِعْنَا بِهَذَا فِي آبَائِنَا الْأَوَّلِينَ﴾
Wahrlich, wir haben nichts von dem jemals von unseren Vorfahren gehört.
(Sure al-Mu'minun, 23:24)
﴿مَا سَمِعْنَا بِهَذَا فِي الْمِلَّةِ الْآخِرَةِ إِنْ هَذَا إِلَّا اخْتِلَاقٌ﴾
Wahrlich, wir haben so etwas in der Religion unserer Väter noch nie gehört. Das ist nichts als eine Erfindung.
(Sure Sad, 38:7)
Wenn man heutzutage die islamische Gemeinschaft auf Fehlverständnisse in gewissen Denkmustern hinweist, fühlt man sich nicht selten an diese Verse zurückerinnert.
Die beschriebene ablehnende Haltung sieht man zudem nicht nur aus der Mitte der Gesellschaft oder unteren Schichten, sondern häufig auch vonseiten der Gelehrsamkeit. Auch diese Erscheinung ist an sich nicht neu.
So liest man dazu im Koran, wie die Gelehrten und gebildeten Personen von hohem Rang ihre Anhänger auf die Gegnerschaft zum Prophetentum einschworen:
﴿وَانْطَلَقَ الْمَلَأُ مِنْهُمْ أَنِ امْشُوا وَاصْبِرُوا عَلَى آلِهَتِكُمْ إِنَّ هَذَا لَشَيْءٌ يُرَادُ﴾
Geht weiter so, und haltet beharrlich an euren Angebeteten fest! Gewiss, dies ist eine Sache, die doch erstrebt wird.
(Sure Sad, 38:6)
Der Grund für ablehnende Haltungen ist ein zunehmendes Bewusstsein darüber, dass sich das Verständnis vieler Menschen über die Grundaussage des Islam nicht mit der Lehre der frühen Quellen deckt. Dieser Gedanke verunsichert klarerweise viele Anhänger des Islam, jedoch wird dies die historischen und theologie-geschichtlichen Tatsachen letztlich nicht ändern können.
Für eine authentische Darstellung des Islam und seines Fundaments wird es unumgänglich sein, die einheitliche Aussage der frühesten Quellen herauszuarbeiten und den Menschen unverändert zu vermitteln. Die Idee, man könnte Fehlverständnisse über diese fundamentalen Aussagen des Islam einfach auf sich beruhen lassen und sie ignorieren, ist aus theologischer Sicht absurd und ebenso unrealistisch.
Letzteres vor allem auch deshalb, weil es bei Muslimen gegenwärtig eine starke Rückbesinnung auf die frühen islamischen Quellen gibt und man das Bedürfnis nach Klarheit über die Grundlagen der eigenen Religion deutlich wahrnehmen kann.
Auch die Idee, es handle sich beim stillschweigenden Ignorieren solcher Fehlverständnisse um einen Ausdruck der Barmherzigkeit und des lockeren Umgangs mit Meinungsverschiedenheiten, ist aus theologischer Sicht nicht nachvollziehbar. Gemäß der islamischen Lehre waren schließlich die barmherzigsten und mitfühlendsten Menschen ebenjene Propheten عليهم السلام, welche ihre Völker ganz klar mit ihren Fehlverständnissen konfrontierten. Zudem kann es aus islamischer Sicht nichts Gutes sein, den Menschen die ursprüngliche Bedeutung ihrer Religion aus pragmatischen Gründen bewusst zu verwehren. Solche Argumentationen und Denkweisen wären also theologisch gesehen keinesfalls schlüssig.