Fehlerhafte Methoden der Beweisfindung
Nach den bisher angeführten islamischen Quelltexten und Gelehrtenaussagen müsste jedem Betrachter eigentlich völlig klar sein, was der ursprüngliche Kerninhalt des Islam ist und dass Polytheismus – in welcher Form auch immer – den Islam einer Person unmöglich macht.
Diese gesamte Thematik ist natürlich nicht rein theoretisch und hat definitiv einen Bezug zur Realität. Es gibt heute in allen Teilen der Welt durchaus Menschen, die sich zum Islam bekennen, aber die Toten anrufen, sie um irgendwelche Dinge bitten oder von ihnen Hilfe in der Not erflehen. Dies geht soweit, dass teilweise eigene Pilgerfahrten mit dazugehörigen Riten erfunden wurden, welche heute z. B. in Ländern wie Ägypten jährlich von Millionen Menschen zelebriert werden. Dabei handelt es sich im Konsens der frühen muslimischen Gelehrten um Polytheismus in der Anbetung, welcher das Glaubensbekenntnis eines Menschen mit Sicherheit unwirksam macht.
Dies ist lediglich ein Beispiel der heute verbreiteten Formen des Polytheismus, auf die von diversen Autoren zu diesem Thema auch hingewiesen wird. Es könnten hier sicherlich weitere Beispiele angeführt werden. Wie zuvor aber schon angemerkt wurde, ist es nicht das vorrangige Ziel dieses Buches, den Polytheismus und seine Formen im Detail und umfassend abzuhandeln. Eine solche Abhandlung würde eine eigene Arbeit zu diesem Thema erfordern und wäre ebenfalls von großer Wichtigkeit – auch wenn das hier besprochene Thema zunächst Priorität genießt, da das eine auf dem anderen aufbaut.
Auch ohne den Polytheismus umfassend erforscht zu haben, muss jedoch soweit klar sein, dass es in der heutigen Realität und auch schon seit vielen Jahrhunderten in der islamischen Welt mehr oder weniger verbreitete Formen des Polytheismus gibt. Ebenso ist auch ohne weitere Analyse, durch klare Passagen des Koran und die konsensualen Aussagen der salaf, ziemlich deutlich, dass gewisse Handlungen und Aussagen zweifelsohne als großer Shirk einzuordnen sind.
Bei Vorhandensein solcher Taten und Aussagen können entsprechende Personen nicht als Muslime beurteilt werden, auch wenn sich diese dem Islam zuzählen.
Dieses theologische Faktum ist für manche Menschen heute schwer annehmbar, verändert es doch ihr Weltbild und ihre Vorstellung von der eigenen Religion in mehrerlei Hinsicht. Schließlich können es die eigenen Verwandten und Vorfahren sein, die gemäß diesem Verständnis nicht als Muslime bezeichnet werden können.
Diese unangenehme Situation veranlasste manche Menschen, irgendwelche Erklärungen zu finden, um die authentische Aussage der islamischen Quelltexte zu entkräften – bei der Vielzahl und Deutlichkeit dieser Quelltexte ein aussichtsloses Unterfangen.
Ein großes Problem hierbei ist die grundlegend fehlerhafte Herangehensweise an die islamischen Quellen. So findet man viele Menschen, die sich mit mehrdeutigen oder auch klar fehlerhaften Aussagen späterer Gelehrter begnügen wollen, um mit ihrer – oft nur scheinbaren – Bedeutung die Kernaussage des islamischen Monotheismus zu entkräften.
Andere wiederum klammern sich bewusst an mehrdeutige Aussagen, seien diese auch vom Koran selbst, um den ihnen unangenehmen Erkenntnissen zu begegnen.
Aus diesem Grund soll im Folgenden auf derartige Fehler in der Vorgehensweise kurzgefasst eingegangen werden.