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Gründe, warum der Tafsir und andere Wissensgebiete in dieser Art überliefert wurden

Hauptteil · Volltext-Kapitel aus dem Buch Erklärung des Vorworts zum Tafsir von Ibnu Abi Hatim ar-Razi · Als PDF lesen

Es gibt mehrere Gründe, weshalb der Tafsir und einige andere Wissensgebiete in dieser Art überliefert wurden. Davon können im Folgenden einige wichtige genannt werden:

Die Tafsir-Gelehrten waren auf ihr Wissensgebiet spezialisiert und konzentrierten sich sehr auf das Erlernen und Weitergeben der Auslegung des Qur'an. Bei diesen Auslegungen handelte es sich meistens nicht um Aussagen des Propheten صلى الله عليه وسلم selbst, sondern um Aussagen der Prophetengefährten und der ihnen folgenden Generationen. Bei der Überlieferung dieser Auslegungen ging es den Gelehrten des Tafsir primär um die Bedeutungen und Inhalte und weniger um den Wortlaut.

Ebenso verhielt es sich mit anderen Wissensgebieten, wie den schon erwähnten Maghazi und vor allem auch der Sirah. Ein Gelehrter konnte bei den Hadith-Gelehrten hinsichtlich seiner Überlieferung und Kenntnis von Überlieferungsketten als „schwach“ gelten, während sie ihm gleichzeitig bekundeten, in seinem eigenen Wissensgebiet ein Imam, also ein führender Gelehrter zu sein. In den erwähnten Wissensgebieten kommt dies häufig vor. Dieselben Hadith-Gelehrten bezeugten also die führende Rolle solcher Personen in ihrem jeweiligen Wissensgebiet und die allgemeine Richtigkeit und Authentizität ihrer Aussagen in diesem Gebiet.

Ein weiteres Beispiel hierfür ist das Wissensgebiet der Rezitation des Qur'an und seiner verschiedenen Lesarten (al-Qira'ah / al-Qira'at). Gerade weil diese Gelehrten sich auf ihr Gebiet spezialisierten, konnten sie sich häufig kein umfassendes Wissen über die Überlieferungsketten und die einzelnen Überlieferer aneignen. Wie bereits erwähnt, ist dies für die Weitergabe ihres Wissens aber auch gar nicht erforderlich, da diese Gebiete, wie z. B. die Qur'an-Lesung, praktisch von einer Generation von Gelehrten an die nächste weitergegeben wurden. Überlieferungsketten existieren zwar in all diesen Bereich auch und sie haben ihren Nutzen und ihre Wichtigkeit, jedoch im Sinne einer Stütze und Bekräftigung, nicht im Sinne der einzigen Grundlage, auf die man sich bei der Überlieferung stützt.

Ebenso der Tafsir von Mujahid ibnu Jabr. Die Auslegungen von Mujahid sind heute – wie bereits erwähnt – ebenfalls zu einem großen Teil erhalten, wenn auch nicht in einem Stück, sondern in den Büchern späterer Mufassirin, wie beispielsweise Ibnu Abi Hatim und at-Tabari, die von Mujahid häufig überliefern.

Diese sprachlichen Bedeutungen wurden mit dem Qur'an zusammen überliefert, ebenso wie die arabische Sprache selbst. Daran sieht man, dass nicht alle Wissenschaften mit Überlieferungsketten überliefert werden können, genauso, wie auch nicht für jedes Wort der Sprache eine Überlieferungskette vorliegt. Trotzdem besteht kein Zweifel darin, dass es sich um die ursprüngliche arabische Sprache handelt.

Vor allem in der heutigen Zeit sieht man verstärkt die Tendenz, nach Schwächen in alten Tafsir-Überlieferungen zu suchen und diese daraufhin abzulehnen. Es ist jedoch absurd, wenn jemand eine sprachliche Auslegung eines Prophetengefährten verwirft, wobei diese sogar mit einer Überlieferungskette überliefert wurde, und sich danach auf die Erklärung in einem Wörterbuch stützt, die überhaupt keine Kette aufweist!

Zudem wurde eine solche Aussage eines Prophetengefährten im konkreten Bezug zum jeweiligen Ausdruck im Qur'an getätigt. Das Verständnis jener frühen Gelehrten für die Sprache und für den Kontext des jeweiligen Textes war unvergleichlich besser. Es ist grotesk, dieses Verständnis zu verwerfen, dann aber eine vom qur'anischen Text unabhängige Erklärung in einem Wörterbuch heranzuziehen und diese dann noch mit dem eigenen unterentwickelten Verständnis für Sprache und Kontext auf den Qur'an anzuwenden!

Für solche schriftlichen Sammlungen galten stets andere Richtlinien hinsichtlich ihrer Authentizität, da bei der Weitergabe einer Schrift zwar die allgemeine Rechtschaffenheit zweifelsohne gegeben sein muss, aber keine Fähigkeiten für die Weitergabe der einzelnen Texte aus dem Gedächtnis erforderlich sind. Die Nusakh des Tafsir waren damals unter der Gelehrsamkeit bekannt und die Gelehrten stützten sich auch auf jene Sammlungen, die bei ihnen durch den Vergleich mit anderen Überlieferungen und Sammlungen als vertrauenswürdig galten.

In diesem Umstand liegt auch eine starke Bekräftigung der Authentizität der Tafsir-Überlieferungen im Allgemeinen, da die Schriftsammlungen zeigen, wie die Lehre des Tafsir bei den damaligen Gelehrten bekannt und verbreitet war. Es handelte sich also keineswegs um vereinzelte Überlieferungen, die aus dem Verborgenen zu Tage gefördert werden mussten. Das Gegenteil war der Fall. Es gab bekannte Schulen mit zahlreichen namhaften Gelehrten, die abgesehen von ihren Lehrern auf bekannte schriftliche Sammlungen zurückgreifen konnten. Klarerweise bedeutet dies nicht, dass jede Sammlung oder jede einzelne Überlieferung deshalb als unzweifelhaft betrachtet werden müsste. Aber im Allgemeinen und besonders bei Schriftsammlungen, die bei den bedeutenden Gelehrten und Fachleuten als authentisch galten und auf die sie sich deshalb in ihren Werken stützten, hat dieser Punkt großes Gewicht.