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Die Geschichte der angeblichen „vier Imame“

Volltext-Kapitel aus der Schrift Falsche Vorstellungen über die Frühzeit des Islam und die Gelehrten der Salaf · Als PDF lesen

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von den vier Imamen. Jedem von uns wurde sie quasi mit der Muttermilch eingeflößt. Die meisten Menschen – selbst jene, die sich „Salafi“ nennen – haben diese Vorstellung von der islamischen Gelehrsamkeit der ersten Jahrhunderte.

Angeblich gab es vier große Imame. Diese sammelten das Wissen des Propheten صلى الله عليه وسلم und gaben es dann weiter in ihren vier Rechtsschulen. So wurde der Islam von den vier Imamen beschützt und für die Nachwelt bewahrt.

Als Kind wird einem bereits beigebracht: Allah hat einen Rasul صلى الله عليه وسلم entsandt und es gab danach die vier Imame. Mit was der Rasul genau entsandt wurde, das meint natürlich auch jeder zu wissen. Bei vielen ist die Kernaussage der prophetischen Botschaft: Die Liebe zu jedem Menschen, der Humanismus, dass der Mensch das Wichtigste und Zentralste im ganzen Universum ist … weshalb man auch nie jemandem sagen darf, dass er vielleicht auf einem falschen Weg sein könnte – so die tatsächliche Grundüberzeugung sehr vieler Menschen heute, die sich zum Islam bekennen.

Die Leute wissen auch, dass es nur einen Schöpfer gibt – Dass man aber nur Diesen anbeten darf und sonst kein Muslim sein kann, davon haben sehr viele bis zu ihrem Lebensende kein richtiges Verständnis. Aber … sie kennen die vier Imame. Man lernt also von Kind an, dass man ein Muslim ist und welcher Rechtsschule man angehört.

So etwa ist die Sicht der nichtstudierten Allgemeinheit in Bezug auf die frühe Gelehrsamkeit der Muslime. Eventuell wird noch al-Bukhari رحمه الله als „fünfte tragende Säule“ hinzugefügt. Viele Menschen haben die absurde Vorstellung, al-Bukhari hätte – quasi alleine – die gesamte Sunnah bewahrt und weitergetragen.

Soweit die verzerrte Sicht über die Frühzeit des Islam. Diese lächerliche Vorstellung ist nicht nur falsch, sie ist auch gefährlich und hat enormen Schaden angerichtet. Die Idee, der ganze Din wäre über die ersten Jahrhunderte nur von diesen vier oder fünf Einzelpersonen gelernt, gelehrt, beschützt und weitergegeben worden, ist unsinnig.

In Wirklichkeit gab es zu jedem Zeitpunkt in den ersten Jahrhunderten des Islam eine gewaltige Anzahl von Gelehrten, die diese Aufgabe in ihrer Gesamtheit erfüllten. Auch wenn Leute wie Malik, asch-Schafi'i und Ahmad hervorragende Gelehrte waren, die natürlich ihren Anteil an dieser großen Arbeit hatten – möge Allah mit all den Gelehrten der Muslime barmherzig sein.

Viele von den zahlreichen Gelehrten hatten ein eigenes Rechtsverständnis, wie Abu 'Amr al-Auza'i oder Sufyan ath-Thauri und viele andere. Diese Leute kannte aber bis vor kurzem kaum jemand und auch jetzt hat die Masse keine Vorstellung von diesen Gelehrten. Wenn überhaupt hat man vielleicht einmal einen solchen Namen gehört.

Abgesehen davon gibt es noch andere Aspekte bei dieser Geschichte, die so nicht stimmen können …