Frage: Kann Zakatu l-Fitr in Form von Geld gegeben werden?
بسم الله والحمد لله والصلاة والسلام على رسول الله
Es wurde aus aktuellem Anlass diese Frage gestellt und sie wird auch regelmäßig diskutiert. Ohne hier alle Aussagen im Detail zu erwähnen – weil dies den Text stark in die Länge ziehen würde –, soll hier das Wichtigste zu dieser Frage kurz angesprochen werden.
1) Al-Bukhari überliefert von Ibnu 'Umar رَضِيَ اللهُ عَنْهُمَا:
عَنِ ابْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللهُ عَنْهُمَا، قَالَ: فَرَضَ النَّبِيُّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ صَدَقَةَ الفِطْرِ - أَوْ قَالَ: رَمَضَانَ - عَلَى الذَّكَرِ، وَالأُنْثَى، وَالحُرِّ، وَالمَمْلُوكِ صَاعًا مِنْ تَمْرٍ، أَوْ صَاعًا مِنْ شَعِيرٍ ... فَكَانَ ابْنُ عُمَرَ يُعْطِي عَنِ الصَّغِيرِ، وَالكَبِيرِ، ... وَكَانُوا يُعْطُونَ قَبْلَ الفِطْرِ بِيَوْمٍ أَوْ يَوْمَيْنِ
„Der Prophet صلى الله عليه وسلم machte die Sadaqah des Fitr - oder er sagte des Ramadan - zur Pflicht für den Mann und die Frau, den Freien und den Leibeigenen, ein Sa' von Datteln oder ein Sa' von Gerste. … Und Ibnu 'Umar pflegte für den Jungen und den Alten [bzw. Erwachsenen] zu geben … Und sie pflegten, ein oder zwei Tage vor dem Fitr zu geben.“
Hinweise:
- Die frühen Fuqaha' (Rechtsgelehrten) sagten aufgrund dieses Textes - neben anderen Beweisen, die dies unterstützen -, dass die Zakatu l-Fitr in Form der Grundnahrungsmittel des jeweiligen Landes abgegeben werden muss.
- Abgesehen davon zeigen sich durch den Hadith auch weitere allgemeine Dinge in Bezug auf die Zakatu l-Fitr, die in einem vorausgehenden Beitrag bereits angesprochen wurden.
- Ein Sa' war eine Maßeinheit der damaligen Zeit unter den Arabern. Umgerechnet wird diese Menge in der Regel etwa mit 2,5 bis 3 kg wiedergegeben.
- Der Prophet صلى الله عليه وسلم machte es gemäß diesem Text also zur Pflicht, diese Abgabe in Form von Nahrung zu leisten und nicht in Form von Geld.
2) Es wird weder vom Propheten صلى الله عليه وسلم, noch von den Gefährtenرضي الله عنهم erwähnt, dass irgendjemand davon den Gegenwert dieser Menge an Nahrung in Form von Geld gegeben hätte. Im Gegensatz dazu wird zahlreich überliefert, dass sie Nahrung gaben.
3) Die Allgemeinheit der Fuqaha' der Salaf gaben auch diese Fatwa und erlaubten nicht, stattdessen Geld zu geben, vielmehr erwähnten sie ausdrücklich, dass gemäß ihrer Sicht eine Geldspende die Pflicht nicht erfüllen würde, oder dies zumindest zu befürchten ist.
4) In den Masa'il von Abu Dawud wird berichtet, dass Ahmad hierauf angesprochen wurde und antwortete, dass er befürchtet, dass dies die Pflicht nicht erfüllt. Darüber hinaus sagte er auch, dass dies ein Widerspruch zur (überlieferten und von den Salaf umgesetzten) Sunnah wäre. Diese ablehnende Haltung wird von Ahmad auch an anderen Stellen überliefert.
5) Es wurde von einigen Salaf überliefert, dass sie kein Problem darin sahen, dass man Darahim, also Geld gibt. Dies wird z.B. von 'Umar ibnu 'Abdi l-Aziz überliefert, einem sehr bedeutenden Gelehrten der Salaf, und auch von anderen Imamen wie z.B. Abu Ishaq as-Sabi'i.
Solche Überlieferungen sind jedoch sehr selten. Zudem kann es sein, dass in solchen Überlieferungen eher gemeint ist, dass dem Vertreter (Wakil) Geld ausgehändigt wurde, damit er dann Essen kauft. Aus manchen Überlieferungen lässt sich das auch verstehen. Außerdem kann sich eine ersatzweise Gabe von Geld durch Darurah-Situationen erklären lassen, die auch in verschiedener Hinsicht vorstellbar sind.
Es ist aber ziemlich deutlich, dass es Leute gab, die solche Überlieferungen auch anders verstanden, weshalb z.B. erwähnt wird, dass Ahmad darauf angesprochen wurde, dies aber – laut dieser Schilderung, wallahu a'lam – trotz der hohen Stellung von 'Umar ibnu 'Abdi l-'Aziz ablehnte.
Zusammenfassend:
Aufgrund des Gesagten ist es also sehr klar, dass Zakatu l-Fitr nur als Nahrung abgegeben werden sollte und andere Meinungen als schwach zu betrachten sind.
Da die Ansicht, man könne auch Geld geben, jedoch weit verbreitet ist und da auch Überlieferungen von bedeutenden Gelehrten so verstanden werden können, ist es nicht von der Hikmah (Weisheit) in dieser Angelegenheit großen Taschaddud (übertriebene Härte) an den Tag zu legen.
Es ist also nicht jeder sofort ein Mubtadi', weil er in einer Rechtsfrage einer schwachen Ansicht folgt. Selbst in Fällen, wo ein Gelehrter z.B. einen klaren und eindeutigen Fehler in einer Rechtsfrage begeht, kann man bei der Beurteilung nicht so vorgehen.
Niemand mit Verstand würde sich trauen, jemanden wie 'Umar ibnu 'Abdi l-'Aziz als Mubtadi' zu bezeichnen und auch Ahmad tat dies keinesfalls, trotz seiner Ablehnung der Ansicht. Hier ist also Vorsicht geboten. رحمهم الله – Möge Allah mit all diesen Gelehrten barmherzig sein. Amin.
Es ist wichtig hierauf hinzuweisen, weil manche Juhhal nur auf solche Dinge warten, um wieder volle Härte beim angeblichen Umsetzen des „Manhaj der Salaf“ zu demonstrieren, um sich selbst zu inszenieren – ohne damit eine spezielle Person zu meinen, denn es handelt sich dabei mittlerweile schon um ein Massenphänomen.
Wallahu a'lam / Und Allah weiß es am besten.
والله أعلم