Viele Nicht-Muslime wären gemäß diesem Irrglauben ebenfalls als Muslime zu betrachten
Dem bisher Gesagten zu widersprechen, hätte zur Folge, dass die vorislamischen Götzendiener, die Juden und die Christen ebenfalls Muslime wären.
Dies, weil quasi alle Polytheisten, die meinen, irgendeiner prophetischen Botschaft zu folgen, ihr eigenes Tun als gut empfinden und sich selbst auf der Wahrheit sehen.
Sie bekennen sich zu ihrem jeweiligen Propheten عليه السلام und zu seiner Botschaft, wissen aber gleichzeitig nicht, was der Tauhid wirklich ist. In weiterer Folge begehen sie den Shirk aus Unwissenheit.
In ebendieser Art bekannten sich die vorislamischen Götzendiener (Mushrikun) von Quraish zur Religion von Abraham (millatu ibrahim) – also zum allgemeinen Islam –, begingen aber unwissentlich Polytheismus.
Wäre es so, dass ein Mensch, der sich heute zum Islam bekennt, trotz Polytheismus ein Muslim ist, müssten jene Götzendiener ebenso Muslime gewesen sein.
Im Gegensatz dazu wurden die Propheten عليهم السلام aber ganz allgemein zu ihren Völkern entsandt, weil diese eben keine Monotheisten mehr waren. Deshalb beurteilten sie diese Völker von Anbeginn nicht als Monotheisten, sondern als Götzendiener.
In oben beschriebener Weise müsste jemand, der sich zum Islam zählt, aber unwissentlich z.B. Jesus anruft oder ihn als Sohn Gottes ansieht, bei dem hier besprochenen Irrglauben ein „entschuldigter Muslim“ sein.
Schließlich sahen sich die damaligen Mushrikun von Quraish ebenso als Anhänger der Religion Abrahams und meinten sogar, auserwählt zu sein, weil Allah sie zu Beschützern Seines Hauses – der Ka'bah – machte.
Aber Zaid ibnu 'Amr ibni Nufail – einer der damals schon monotheistischen hunafa' – sagte noch vor der Entsendung des Gesandten صلى الله عليه وسلم, also noch vor der Offenbarung, zu den Mekkanern, welchen er selber angehörte:
يَا مَعَاشِرَ قُرَيْشٍ، وَاللَّهِ مَا مِنْكُمْ عَلَى دِينِ إِبْرَاهِيمَ غَيْرِي
Oh ihr Leute von Quraish! Bei Allah, keiner von euch befindet sich auf der millah von Ibrahim, außer mir.
[Überliefert bei al-Bukhari von Asma' bintu Abi Bakr رضي الله عنهما]
Ibnu Nufail war also – selbst vor der Entsendung des Propheten صلى الله عليه وسلم – ein Muslim!
Aus der Sicht jener, die sich einen muslimischen Polytheisten vorstellen können, müsste Ibnu Nufail irgendeiner kharijitischen Sekte angehört haben5, weil er seinem Volk im Allgemeinen die Eigenschaft des Monotheismus absprach, wobei diese Leute von sich selbst glaubten, Anhänger Ibrahims عليه السلام zu sein.
Fußnoten
- oder einer „takfiristischen“ Sekte – wie zum Zwecke der Diffamierung jetzt auch im deutschsprachigen Raum zunehmend gesagt wird. ↩