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Die Bedeutung der 'Ibadah/Anbetung

Der Polytheismus · Volltext-Kapitel aus dem Buch Die Lehre des Monotheismus · Als PDF lesen

Da im vorliegenden Buch mehrfach über den Polytheismus in der Anbetung ('Ibadah) gesprochen wird, ist es angemessen, den arabischen Begriff 'Ibadah zumindest in seinen Grundzügen zu erläutern, um eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, was mit dem Wort „Anbetung“ in diesem Bezug gemeint ist. Im Rahmen dieser kurzgefassten Abhandlung ist es jedoch nicht möglich, auf diese Thematik im Detail einzugehen. Vielmehr muss dies einer gesonderten Abhandlung des Themas überlassen werden.

Das Wort 'Ibadah ist der masdar (das Verbalsubstantiv) des Verbs 'abada ya'budu. Hiervon leitet sich auch direkt das Wort 'abd für „Diener“ ab. Sprachlich gesehen bedeutet 'abada „dienen“ im weiteren Sinne, weshalb der Sklave im Arabischen ebenfalls 'abd genannt wird.

In der sprachlichen Bedeutung geht es also vor allem um die Unterwürfigkeit bzw. Niedrigkeit und Abhängigkeit jemand anderem gegenüber - im Arabischen: adh-dhullu wa-l-khudu'.

Die beiden Begriffe sind hierbei jedoch nicht im Sinne von Elend und Niedertracht zu verstehen, wie sie nach zwischenmenschlichen Maßstäben verstanden werden. Im Kontext der Anbetung des Schöpfers ist der Inhalt des Wortes 'Ibadah durchwegs positiv belegt, da diese Position des Geschöpfes gegenüber seinem Schöpfer am angemessensten ist. In Übereinstimmung mit der Natur des Menschen ist es aus islamischer Sicht die reinste und höchste Stufe, die ein Mensch anstreben kann, ein rechtschaffener Diener seines Schöpfers zu sein.

Dies, weil der Mensch, was auch immer er unternimmt und wie weit er sich auch entwickeln mag, niemals auch nur annähernd die Stufe seines Herrn erreichen wird. Auch die größtmögliche Entwicklung eines Menschen ist in Relation zum Schöpfer völlig unbedeutend.

Demgegenüber lassen Hochmut und Verweigerung den Menschen nicht an Güte und Position zunehmen, vielmehr lassen sie ihn sinken. Abgesehen davon kann sich der Mensch der Dienerschaft zu seinem Herrn letztlich ohnehin nicht verweigern. Was auch immer der Mensch tut oder nicht tut, er wird schließlich immer ein Diener sein, und zwar aus den folgenden beiden Gründen:

  1. Zum einen wird er immer ein Geschöpf bleiben, egal was er tut. Auch wenn er seinem Schöpfer den Gottesdienst verweigert, so kann er sich der Bestimmung seines Schöpfers doch nicht entziehen. Ob und wie er geboren wird und stirbt, ob er Krankheiten hat oder Heilung erfährt und wie er sein Leben letztlich verbringen wird, all dies sind Rahmenbedingungen, die der Schöpfer definiert und nicht das Geschöpf.

    Letztlich können die Geschöpfe nichts tun, außer wenn der Schöpfer es zulässt. Aus dieser Beziehung kann sich kein Mensch befreien, auch wenn sich der eine oder andere dies einbilden mag. Wer es dennoch versucht, der erhebt sich dadurch kein Stück weit, vor allem nicht gegenüber seinem Herrn, der dieses Geschöpf letztlich richten wird.

    Der Mensch ist, wie er ist. Gemäß der prophetischen Lehre kann sich der Mensch nur durch die Nähe zu seinem Herrn weiter und weiter erheben. Hierin liegt die größte Errungenschaft, die ein Mensch überhaupt erreichen kann, und nur auf diesem Wege wird der Mensch das höchstmögliche Maß an Freiheit erreichen.

  2. Zum anderen liegt es in der Natur des Menschen irgendeiner Sache zu dienen und sich dieser unterzuordnen. Wer nicht bewusst seinem Schöpfer dient, der dient letztlich anderen Menschen und seinen eigenen Gelüsten und Neigungen, ist also am Ende ein Sklave ebendieser Dinge und Personen.

Genau hierin liegt also auch der Unterschied zwischen einem Menschen, der sich seinem Schöpfer fügt, und einem Menschen, der dies aus Hochmut verweigert. Dies lässt auch verstehen, warum gemäß der Lehre des Islam die Hochmütigkeit der Gottesfurcht so grundlegend widerspricht.

Die Araber verwendeten das Wort 'Ibadah (dienen/anbeten) wie das Wort dhull (sich fügen/niedrig sein), und das Wort ta'bid (zum Sklaven bzw. Diener machen) wie das Wort tadhlil (jmdn. sich fügen lassen/niedrig sein lassen).

Der mufassir/Exeget at-Tabari erwähnt deshalb bei der Erklärung des Wortes 'Ibadah für diese Bedeutung einige alte Gedichtverse, in denen der Weg als mu'abbad, also als „geebnet bzw. niedrig gemacht“ bezeichnet wird. Die Araber benannten den Weg dann so, wenn dieser Weg viel begangen und deshalb durch die Füße der Menschen geebnet wurde.

In der Shari'ah ist die rechtliche Bedeutung jedoch spezifischer. Unterwürfigkeit und Fügung sind erst dann 'Ibadah wenn diese mit Einsicht, Hingabe und Liebe erfüllt werden. Dies ist insofern leicht verständlich, da es nicht vorstellbar ist, dass jemand Allah anbetet, während er Ihm aber überhaupt keine Liebe entgegenbringt oder Ihm sogar abgeneigt ist. Eine solche Haltung wäre keine Fügung im Sinne der vom Islam verlangten 'Ibadah.

Die 'Ibadah ist in der islamischen Lehre im Grunde ein umfassender Begriff für alles, was Allah an äußerlichen und innerlichen Taten und Aussagen der Geschöpfe liebt.

Dies, weil Allah سبحانه وتعالى nur das anordnet, was er liebt. Eine jede Handlung, der die Absicht zugrunde liegt, sich Allah dadurch zu nähern98, ist demgemäß als 'Ibadah zu bezeichnen. Genau dieser taqarrub (Näherung) ist es, der niemandem entgegengebracht werden darf außer Allah.

Die innerlichen Taten und Aussagen werden hierbei deshalb erwähnt, weil auch diese verborgenen Aspekte eine 'Ibadah sind. Liebe, Furcht, Verehrung usw. werden in der islamischen Theologie allesamt als Formen der 'Ibadah beschrieben. Vielmehr dreht sich letztlich sogar alles um diese Taten des Herzens – im Arabischen: a'malu l-qulub.

Die äußerlichen Taten und Aussagen sind immer eine Folge von diesen innerlichen Taten und Aussagen – wie es im islamisch-arabischen Sprachgebrauch ausgedrückt wird.

Fußnoten

  1. Im Arabischen wird diese bewusste und beabsichtigte Näherung als taqarrub bezeichnet.