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Die Bedeutung des Glaubensbekenntnisses in den frühen Quellen des Islam und das Fehlverständnis darüber

Hauptteil · Volltext-Kapitel aus dem Buch Die Lehre des Monotheismus · Als PDF lesen

Es wurde bereits angesprochen, dass die tatsächliche Bedeutung des islamischen Glaubensbekenntnisses la Ilaha illa-llah bedeutet: „Es gibt keinen Anbetungswürdigen außer Allah“. Das arabische Wort Ilah bedeutet – im Gegensatz zur Annahme sehr vieler Menschen heute – nicht in erster Linie „Schöpfer“ oder Ähnliches. Vielmehr kann es im Deutschen mit „Anbetungswürdiger“ wiedergegeben werden.

Erst bei den Philosophen, welche begannen, ihren eigenen Verstand als Quelle der Religion zu erachten und ihn häufig über die eigentlichen Quellen, den Koran und die Sunnah zu stellen, schlich sich allmählich das Missverständnis über das Glaubensbekenntnis ein. Sie dachten nämlich, die Bedeutung davon wäre: „Es gibt keinen Schöpfer, Lebensspender, Versorger ... außer Allah55.

Da dies heute auch von der Mehrheit jener Menschen angenommen wird, die sich zum Islam bekennen, verwundert es nicht, bei der Übersetzung des Glaubensbekenntnisses vor allem folgende Ausdrücke zu lesen: „Es gibt keinen Gott außer Gott“, „Es gibt keinen Gott außer Allah“.

Es tritt bei solchen Übersetzungen deutlich die Annahme zu Tage, man würde dadurch lediglich bezeugen, dass es einen einzigen Schöpfer gibt.

Der Aspekt der Anbetung und des Gehorsams gegenüber diesem Schöpfer wird bei diesem Verständnis und der entsprechenden Übersetzung hingegen völlig ausgespart.

Auf diesem Weg entstand auch die Annahme, die vorislamischen Götzendiener der Mekkaner und anderer arabischer Stämme müssten klarerweise völlig unwissend über die Existenz dieses Schöpfers gewesen sein, oder sie hätten neben Diesem noch weitere Schöpfer vermutet. Andernfalls wäre es schließlich nicht erklärbar, warum diese Götzendiener überhaupt Götzendiener waren. Hätten sie nämlich gewusst, dass es nur einen einzigen Schöpfer gibt, hätten sie dadurch automatisch das Glaubensbekenntnis erfüllt und wären somit Monotheisten.

Genau hier zeigt sich ein fundamentales Problem. Nämlich, dass die frühen islamischen Quellen eindeutig zeigen, dass ebenjene Götzendiener klar und deutlich davon überzeugt waren, dass Allah سبحانه وتعالى der Schöpfer allen Seins ist und es darüber hinaus auch keinen anderen Schöpfer gibt.

Wenn dem so ist – und dies wird sich durch folgende Texte klar zeigen –, offenbart sich dadurch ein allgemein vorherrschender, eklatanter Wissensmangel, zum einen über die frühen Quellen des Islam, allen voran den Koran und seine frühen Erläuterungen, die diese Aussage im Konsens wiedergeben. Zum anderen jedoch auch über das islamische Glaubensbekenntnis.

Dies wiederum bedeutet ein fundamentales Missverständnis über die Grundaussage der Religion und ein solches kann klarerweise nicht ohne Folgen bleiben, da weitere Auffassungen und Konzepte dieser Religion, wie bereits gezeigt wurde, auf diesem Fundament aufbauen.

Kapitel dieses Abschnitts

Fußnoten

  1. Natürlich sind diese und andere grundlegende Bedeutungen ohne Zweifel auch implizit im Glaubensbekenntnis enthalten und in der islamischen Grundüberzeugung ('aqidah) unerlässlich. D.h. jeder Muslim muss natürlich voll und ganz von der Existenz Allahs als einzigem Schöpfer, Lebensspender und Versorger überzeugt sein. Hier geht es jedoch darum, dass mit dem Wortlaut und primären Inhalt des Glaubensbekenntnisses nicht in erster Linie diese Dinge gemeint sind. Ebenso soll hier gezeigt werden, dass die Bedeutung des Glaubensbekenntnisses nicht auf die genannten Überzeugungen reduziert werden darf. Wie groß die Auswirkung dieser unterschiedlichen Auslegung ist, wird sich in diesem Kapitel noch weiter verdeutlichen.