Die deutliche Erklärung des Wortes Islam im Koran
Es hat sich also äußerst klar gezeigt, dass die beiden Wörter Islam und Ikhlas gleichbedeutend sind. Das Wort Islam – und mit ihm diese gesamte Religion – dreht sich um die Reinigung der Taten für Allah alleine. In den arabischen Wörtern Islam und Muslim ist die volle Bedeutung also bereits implizit enthalten.
Grundsätzlich ist anzunehmen, dass ein Inhalt umso öfter und deutlicher erklärt wird, je bedeutender seine Rolle ist. Da dem so ist und es sich hierbei um das Fundament des gesamten Islam handelt, kann man davon ausgehen, dass dieser Inhalt im Koran an zahlreichen Stellen erklärt ist.
Wer den Koran kennt und versteht, findet ebendiese Erklärung auch in vielen Versen des Buches. An diesen Stellen wird deutlich erwähnt, was es zu reinigen gilt. Der Vergleich der verschiedenen Passagen verdeutlicht die Bedeutung weiter und weiter. Man kann dabei immer wieder sehen, wie eine Passage des Koran die andere erklärt – wie auch im weiteren Verlauf an verschiedenen Beispielen gezeigt wird.
Sehr deutlich tritt die Bedeutung des Wortes Islam im folgenden Vers zutage:
﴿وَقَالُوا لَنْ يَدْخُلَ الْجَنَّةَ إِلَّا مَنْ كَانَ هُودًا أَوْ نَصَارَى تِلْكَ أَمَانِيُّهُمْ قُلْ هَاتُوا بُرْهَانَكُمْ إِنْ كُنْتُمْ صَادِقِينَ﴾
Sie80 sagten: „Niemand wird ins Paradies eingehen, außer wer Jude oder Christ war.“ Dies sind ihre Wunschvorstellungen. Sprich: „Bringt euren Beweis, wenn ihr wahrhaftig seid.“
(Sure al-Baqarah, 2:111)
Aus diesem Vers lassen sich folgende Dinge ersehen81:
- Die hier beschriebenen Juden und Christen behaupteten jeweils, dass das Paradies nur für ihresgleichen bestimmt ist.
- Sie meinten damit also, dass der Einzige, der wirklich Allah ergeben ist und dadurch das Paradies verdient hat82, nur jeweils aus ihrer Gemeinschaft sein kann. Gemäß der Aussage dieser Juden und Christen konnte der gottergebene Monotheist also nur aus ihrer Mitte stammen.
- Allah سبحانه وتعالى weist diese Behauptung jedoch unverzüglich zurück. Demgemäß handelt es sich bei dieser Behauptung lediglich um eine ihrer Wunschvorstellungen, von denen weitere Beispiele an einigen Stellen des Koran erwähnt sind.
- Dann stellt Allah die einzig richtige Methode für die Wahrheitsfindung klar. Es ist die Methode der Wahrheit und des Verstandes, die Methode des Beweises.
- Der Beweis kann bei einer solchen Behauptung nur durch die Offenbarung vom Schöpfer selbst kommen, da man zu einer solchen Behauptung nicht auf empirischem Wege gelangen kann. Schließlich drehte sich die Behauptung um die Frage, wem das Paradies zuteil wird und wem es verwehrt wird.
Deshalb wird gefordert, diese Behauptung mit dem dafür notwendigen Beweis zu belegen, der wie gesagt nur vom Schöpfer selbst stammen kann.
Demgegenüber wird nun im darauffolgenden Vers erklärt, wer tatsächlich als Muslim und somit als ein gottergebener Monotheist zählt und dadurch das Paradies verdient hat. Die folgende Schilderung ist im Kontext der Erklärung des ursprünglichen Monotheismus-Verständnisses wichtig, da nun durch den Koran selbst gezeigt wird, worin dieser Monotheismus eigentlich besteht.
So heißt es im darauffolgenden Vers:
﴿بَلَى مَنْ أَسْلَمَ وَجْهَهُ لِلَّهِ وَهُوَ مُحْسِنٌ فَلَهُ أَجْرُهُ عِنْدَ رَبِّهِ وَلَا خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلَا هُمْ يَحْزَنُونَ﴾
Doch! Wer sein Gesicht Allah hingibt83, während er muhsin84 ist, dieser hat seine Belohnung bei seinem Herrn, und um sie gibt es weder Angst, noch werden sie traurig sein.
(Sure al-Baqarah, 2:112)
Erläuterung dieses Verses:
- Hier wird also die zuvor aufgestellte Behauptung widerlegt. Die Bedeutung der Aussage kann dabei wie folgt wiedergegeben werden: „Doch! Es gibt jemanden, der ins Paradies eingeht und seinen Lohn bei seinem Herrn findet.“
- Es handelt sich dabei um denjenigen, der „sein Gesicht Allah hingibt“. Allah berichtet also, dass jeder, der diese Eigenschaft hat, Sein Wohlgefallen erlangt. Im Gegensatz zur vorhergehenden Behauptung jener angesprochenen Juden und Christen wird so einem Monotheisten das Paradies nicht verwehrt, ganz egal welcher Gemeinschaft dieser Monotheist angehört.
Hierin befindet sich also eine deutliche Erklärung des Wortes Islam.
- Die Belohnung, die hier angesprochen wurde, ist natürlich das Paradies, da dies Gegenstand der Behauptung war.
- Diese Muslime/Monotheisten werden im Jenseits weder wegen dem Angst haben, was ihnen bevorsteht, noch werden sie traurig sein über das, was sich im Diesseits ereignete.
Kapitel dieses Abschnitts
Fußnoten
- Gemeint sind hier Leute von den Juden und Christen. ↩
- Siehe für die Erklärungen zu diesem und dem darauffolgenden Vers die Tafsir-Werke von Ibnu Abi Hatim und at-Tabari, welche diese Bedeutungen von den frühen Gelehrten zitieren. ↩
- Also der „Muslim/Monotheist“, denn genau dies ist die allgemeine Bedeutung des Wortes „Muslim“, wie bereits auf verschiedene Arten gezeigt wurde. ↩
- Im arabischen Text: „man aslama wajhahu li-llahi“. Es wird also das Wort aslama verwendet. Die Bedeutung ist also: „der sein Gesicht Allah hingibt/ergibt/fügt/unterwirft“. Das Wort Muslim ist dabei der sog. ismu l-fa'il, also das Partizip aktiv. Es trägt also genau dieselbe Bedeutung. Der Muslim ist „der Hingebende“. „al-muslimu wajhahu li-llahi“ ist also „der sein Gesicht Allah Hingebende“. ↩
- Wörtlich: Jemand der seine Sache gut tut. ↩