Der Zusammenhang zwischen der Wortwurzel salima und dem davon abgeleiteten Verb aslama
In der arabischen Morphologielehre78 ist allgemein bekannt, dass die Erweiterung der dreiradikaligen Wortwurzel79 durch Hinzufügung des Buchstaben hamzah am Anfang des Wortes zu einer Veränderung der Bedeutung im Sinne von „machen“ bzw. „lassen“ führt.
So kann man beispielsweise aus dem Verb jalasa für „er setzte sich“ das Verb ajlasa für „er setzte ihn hin“ – bzw. in der ursprünglichen Bedeutung „er machte ihn sitzend/ließ ihn sitzen“ – konstruieren.
Auf diese Weise ist also auch das Verb salima mit dem Verb aslama verbunden. Salima bedeutet „rein sein“, während aslama „er machte es rein“ bedeutet. Die beiden Wörter salima und aslama verhalten sich dabei in Bedeutung und Wortform genau wie die beiden Wörter khalasa und akhlasa.
Aslama heißt also „er machte es salim“ und akhlasa bedeutet „er machte es khalis“. Die dazugehörigen Nomen sind Islam und Ikhlas.
Wenn jemand z. B. verunreinigtes Wasser reinigen will, so wird dieser Vorgang im Arabischen als Ikhlas bezeichnet. Der Araber würde hier sagen „yukhlisu l-ma'a“.
Islam ist also gleichbedeutend mit Ikhlas! Somit ist der Islam die Religion des Ikhlas. Ohne den Ikhlas kann der Islam unmöglich bestehen. Jede andere Behauptung würde schließlich zur Möglichkeit eines „Islam ohne Islam“ bzw. eines „Muslim ohne Islam“ führen.
Wie früher schon verdeutlicht wurde, ist also völlig klar, um was es bei dieser mehrfach erwähnten Reinigung geht, welche durch die Wörter Islam und Ikhlas ausgedrückt wird. Es geht klarerweise um die Reinigung der Religion und ganz konkret der gottesdienstlichen Taten des Menschen und seines Gehorsams von jeglichen polytheistischen Einflüssen.
Deshalb werden die Begriffe Islam und Tauhid häufig mit dem Ausdruck „Ikhlasu l-'Ibadati li-llah“, also „Die Reinigung der 'Ibadah für Allah“ erklärt.
Aus diesem Grund wird auch die Shahadah, das islamische Glaubensbekenntnis, „kalimatu t-Tauhid“ und ebenso „kalimatu l-Ikhlas“ genannt – eine Benennung, die ebenfalls auf Überlieferungen vom Propheten صلى الله عليه وسلم zurückgeht.
Fußnoten
- In den arabischen Sprachwissenschaften as-sarf genannt. So bezeichnen die arabischen Sprachwissenschaftler die sog. Morphologielehre, die sich mit der Gestalt und Veränderung der Wörter selbst, also des Wortinneren beschäftigt. Im Gegensatz zur eigentlichen Grammatik (an-nahw) beschäftigt sich die Wissenschaft der Morphologielehre nicht mit den Endungen der arabischen Wörter und auch nicht mit den Veränderungen dieser Endungen bei unterschiedlicher Position im Satzgefüge. ↩
- Also jener Wortwurzel, die sich aus drei grundlegenden Buchstaben aufbaut. ↩