Islam bedeutet Lossagung vom Ta'ghut - Der Polytheist erfüllt dieses Prinzip nicht
Es wurde bereits angesprochen, dass der Muslim sich zwingendermaßen von allem lossagen muss, was neben Allah سبحانه وتعالى angebetet oder dem neben Allah bedingungslos gehorcht wird. Auch dieses Prinzip wird im Koran mehrfach ausdrücklich erwähnt und ist in der islamischen Theologie seit jeher als al-kufru bi-t-Ta'ghut, also die Lossagung vom Ta'ghut bekannt.
Aus diesem Grund sieht man häufig, dass die Erfüllung des genannten Grundprinzips als eine der unerlässlichen Bedingungen114 für die Richtigkeit der Shahadah, also des Glaubensbekenntnisses, angegeben wird.
Da der Polytheist diese Bedingung definitiv nicht erfüllt, kann er aus Sicht der islamischen Theologie auch in diesem Sinne nicht als Muslim betrachtet werden. Es wäre absurd zu behaupten, dass ein Mensch einerseits „den Ta'ghut anbetet“, sich aber gleichzeitig „von allem, was neben Allah angebetet wird, losgesagt hat“.
Wiederum wird dadurch auch klar, wie belanglos es dabei ist, ob sich die Person ihrer eigenen Lage nun bewusst ist oder nicht, denn diese Kenntnis oder Unkenntnis ändert nichts an der Frage, ob ein Mensch den Ta'ghut nun anbetet oder seine Anbetung unterlässt. Beides in ein und demselben Menschen zur selben Zeit anzunehmen wäre ein klarer Widerspruch.
Tatsächlich liefert jemand, der diesem klaren Widerspruch anhängt, hierbei selbst einen weiteren Beweis für die Absurdität dieser Behauptung. Solche Leute argumentieren nämlich in der Regel mit zwei Punkten, die einen Polytheisten zum Muslim machen sollen:
- Das äußerliche Bekenntnis der Person zum Islam
- Die Unwissenheit und das fehlende Bewusstsein der Person darüber, dass die eigenen Taten dem Islam fundamental widersprechen
Für Leute, die so argumentieren, entsteht hierdurch aber ein weiteres unlösbares Problem, und zwar die Frage: Wie soll jemand, der sich der Realität des Monotheismus und Polytheismus und des Unterschieds zwischen diesen beiden Dingen nicht bewusst ist, als Muslim gelten, wo er doch den Hauptinhalt seines Glaubensbekenntnisses nicht verstanden hat?
Im weiteren Verlauf dieses Buches soll dieser Widerspruch noch gesondert ausgeführt werden. Hier soll uns vorerst der Hinweis genügen, dass das Wissen über die Grundbedeutung des Glaubensbekenntnisses zweifelsohne eine Voraussetzung ist, um Muslim zu sein oder in den Islam einzutreten.
Rückkehrend zum hier besprochenen Prinzip der Lossagung vom Ta'ghut kann also abschließend gesagt werden, dass es islam-theologisch nicht denkbar wäre, sich einen Muslim vorzustellen, der etwas neben Allah anbetet, sich aber gleichzeitig von der Anbetung aller anderen Dinge lossagt.
Am Anfang dieses Buches wurden bereits mehrere Überlieferungen des bekannten Hadith über die fünf Säulen des Islam angeführt. Dabei wurde klar, dass der Islam auf dem Prinzip des Monotheismus aufgebaut ist.
In einigen dieser Überlieferungen aus dem Sahih-Werk von Muslim ibnu l-Hajjaj war dabei Folgendes deutlich zu sehen:
عَلَى أَنْ يُوَحَّدَ اللَّهُ
In dieser Überlieferung heißt es, der Islam baut sich darauf auf, „..., dass Allah zu einem Einzigen gemacht wird115.“
عَلَى أَنْ يُعْبَدَ اللَّهُ وَيُكْفَرَ بِمَا دُونَهُ
In einer weiteren Überlieferung desselben Hadith wird jedoch gesagt, der Islam baut sich darauf auf, „... dass man nur Allah anbetet und kufr gegen alles macht, das außer Ihm angebetet wird.“
Hier wird also ausdrücklich das Prinzip der Lossagung vom Ta'ghut formuliert. Auf diesem Prinzip wurde der Islam errichtet und der Polytheist erfüllt diese Grundlage unter keinen Umständen.
Ebenso wird dieser Grundsatz in anderen Hadithen beschrieben. So sagte der Prophet صلى الله عليه وسلم im folgenden Hadith, der bei Muslim überliefert wurde:
مَنْ قَالَ لَا إِلَهَ إِلَّا اللَّهُ وَكَفَرَ بِمَا يُعْبَدُ مِنْ دُونِ اللَّهِ حَرُمَ مَالُهُ وَدَمُهُ وَحِسَابُهُ عَلَى اللَّهِ
Wer la Ilaha illa-llah sagt und den kufr gegen alles durchführt, was außer Ihm angebetet wird, dessen Besitz und Leben sind uns verboten116 und seine Abrechnung ist bei Allah.
In einer weiteren Überlieferung bei Muslim findet sich folgender Wortlaut:
مَنْ وَحَّدَ اللَّهَ ثُمَّ ذَكَرَ بِمِثْلِهِ
„Wer Allah zu Einem macht117...“
In beiden Hadithen wird also ausdrücklich der Tauhid mit dem kufr gegen den Ta'ghut gleichgesetzt.
Der kufr gegen den Ta'ghut besteht also gerade darin, diesen nicht anzubeten. Wer dies durch polytheistische Handlungen dennoch tut, kann aus Sicht der islamischen Theologie kein Muslim sein.
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Durch die vorausgehenden Kapitel wurde also gezeigt, dass es für den Islam einer Person unerlässlich ist, die genannten Grundsätze zu erfüllen:
- Den Ikhlas, also die Reinigung der eigenen Taten von polytheistischer Anbetung
- Die Umsetzung der Hanifiyyah, die im reinen Monotheismus besteht
- Die Befolgung des abrahamitischen Monotheismus (millatu Ibrahim)
- Das Prinzip der Lossagung vom Ta'ghut
Wer diese von der islamischen Theologie im Konsens geforderten Prinzipien aussetzt, begibt sich in zahlreiche fundamentale Widersprüche, nicht nur in Bezug auf die obengenannten Prinzipien.
Im Folgenden sollen deshalb weitere islamische Quelltexte genannt werden, die das bisher Gesagte weiter erhärten.
Fußnoten
- Bei diesen Bedingungen geht es nicht in erster Linie um eine eindeutige Definition. Wer ihren Inhalt versteht, der weiß, dass die Richtigkeit und Gültigkeit der Shahadah von diesen Dingen abhängt. Dabei ist es jedoch gleichgültig, wie man diese Bedingungen nun benennt oder klassifiziert. Klarerweise überlagern sich die genannten Bedingungen auch häufig. Ein Mensch, der den kufr gegen den Ta'ghut nicht erfüllt, hat klarerweise auch den Ikhlas nicht erbracht. Diese von den Gelehrten als Bedingungen angeführten Punkte sind also entweder gleichbedeutend oder ihre Bedeutungen überlagern sich. In jedem Fall sind sie völlig voneinander abhängig. ↩
- Wie schon zuvor erklärt, wird hier im Arabischen das Verb „yuwahhadu“ verwendet. ↩
- Selbst wenn also ein Nicht-Muslim während einer Kampfhandlung den Islam annimmt, ist es nicht erlaubt, ihn weiter zu bekämpfen und jegliche Feindschaft ist durch seinen Eintritt in den Islam getilgt. ↩
- Auch hier wird das Wort wahhada verwendet. Also: „Wer Allah zu Einem in der Anbetung macht.“ ↩