Viele Polytheisten müssten noch eher Muslime sein als jene, die sich heute zum Islam bekennen
Tatsächlich müsste nach dieser Meinung auch ein Mensch, der diverse Propheten oder Engel anruft, noch eher ein Muslim sein als jemand, der beliebige andere Tote anfleht. Dies, da die Propheten عليهم السلام in allgemeiner Übereinstimmung der Muslime sicher besser waren als alle anderen Menschen.
Wenn ein Mensch also einen Nicht-Propheten anbetet und trotzdem Muslim sein kann, muss jemand, der einen Propheten anbetet, viel eher entschuldigt sein können. In Wirklichkeit ist es jedoch völlig gleich, was oder wen diese Leute anbeten, aus Sicht der ursprünglichen islamischen Lehre können solche Leute mit Sicherheit nicht als Muslime gelten.
Auch hier ist es gut möglich, dass die Vertreter jener verzerrten Meinung solche Konsequenzen nicht annehmen wollen. Wiederum lautet dann aber die Frage, wie der Unterschied zwischen diesen Polytheisten definiert werden könnte, wo doch alle davon gleichsam eine Anbetung zu jemand anderem als Allah verrichten?
Ebenso müsste es sich bei den verschiedenen Arten der Anbetung verhalten. Wenn der Islam einer Person, trotz der Anrufung der Toten um Dinge, die nur Allah سبحانه وتعالى erfüllen kann, weiterbestehen könnte, so würde er ebenso mit jeder anderen Art des Shirk weiterbestehen.
Würde ein Mensch sich also vor Götzen niederwerfen, sie küssen und in Wort und Tat verehren und anbeten, müsste er gemäß dieser Sichtweise sicher ein Muslim sein können. Er müsste dazu lediglich a) unwissend sein und b) sich zum Islam bekennen.
Wenn jemand jedoch bei einer speziellen Art des Shirk meint, so ein Mensch könne unmöglich als entschuldigter Muslim gelten, bei einer anderen aber wäre dies möglich, so müsste er für diese Unterscheidung einen stichhaltigen Beweis anführen. Andernfalls handelt es sich um eine Ungleichbehandlung von zwei Dingen, die an und für sich gleich sind – etwas, das die muslimischen Gelehrten unter dem Begriff at-tafriqu baina l-mutamathilain zusammenfassten und als völlig irrational ablehnten.
Es wurde zuvor schon erwähnt, dass manche Leute tatsächlich absurderweise all diese Folgen akzeptieren. Bei ihnen ist es sogar möglich, dass ein Mensch an einen Sohn Gottes glaubt oder 'Isa/Jesus anbetet und trotzdem als Muslim anzusehen ist. Kein Zweifel, dass jemand, der so etwas denkt, seinerseits an einem gravierenden Problem beim Verständnis der Kerninhalte des Islam leidet.