Die Sprachgelehrten über diesen Vers
Die Sprachgelehrten der arabischen Sprache66 erwähnten diesen Vers und erläuterten ihn. In Lisanu l-'Arab67 findet man dies z.B. folgendermaßen zusammengefasst:
﴿ورجلاً سَلَماً لرجل﴾: وقُرئ ﴿ورجلاً سالِماً لرجل﴾ ... والمعنى أَنّ مَن وحَّدَ اللَّه مَثَلُه مَثَلُ السالم لرجلٍ لا يَشْرَكُه فيه غيرُه ومَثَلُ الذي أَشرَك اللَّهَ مَثَلُ صاحبِ الشُّرَكاءِ المتشاكسِينَ.
…und ein Mann, der ausschließlich einem einzigen Herrn gehört (wa-rajulan salaman li-rajul). Und es wurde auch folgendermaßen gelesen68: (wa-rajulan saliman li-rajul) …
Dies bedeutet: Derjenige, der Allah zu einem Einzigen macht, gleicht in dem Beispiel jenem, der nur einem Einzigen gehört. (Dieser Besitzer) hat also keinen Teilhaber.
Und derjenige, der Allah zu einem Teilhaber macht69, gleicht jenem, der mehreren zerstrittenen Herren gehört.
Ibnu Mandhur zählt mit seinem umfassenden Wörterbuch über die arabische Sprache wohl zu den bekanntesten Sprachgelehrten der islamischen Geschichte. Jedoch lebte er relativ spät, gehörte also zu den späten Autoren, den sogenannten muta'akhkhirin. Da er den meisten Leuten jedoch ein Begriff ist, wurde er hier erwähnt, woraus nicht zu schließen ist, dass die Glaubenslehre, welcher Ibnu Mandhur folgte, sich in jeder Hinsicht mit jener authentischen Lehre der frühen Generationen deckte.
Jedoch lässt sich gerade aus diesem Aspekt eine interessante Tatsache ersehen. Die Aussage von Ibnu Mandhur zeigt nämlich, dass die eigentliche sprachliche Bedeutung des Wortes Islam auch für die späten Sprachgelehrten noch eine ziemliche Selbstverständlichkeit war.
Auch wenn zumindest dieses Verständnis damals im Allgemeinen noch vorhanden war, schlichen sich dennoch schon seit vielen Jahrhunderten zahlreiche falsche Inhalte in die Glaubenslehre der Menschen in der islamischen Welt ein. Dass die primäre sprachliche Bedeutung des Wortes Islam dennoch allgemein so wiedergegeben wurde, bekräftigt diese Bedeutung.
Völlig klar ist natürlich, dass Ibnu Mandhur nichts Neues von sich aus erfand, sondern ausschließlich die Inhalte der überlieferten arabischen Sprache wiedergab. Wenn er diese Bedeutung also erwähnt hat, kann man sie zweifelsohne auch in den früheren Wörterbüchern finden. Der Kürze halber soll hier aber die Aussage von Ibnu Mandhur genügen, zuzüglich der zuvor schon aus verschiedenen Wörterbüchern zusammengetragenen Erklärungen jener Wörter und Wortwurzeln, die hier von Belang sind.
Fußnoten
- Siehe dazu von den frühen arabischen Wörterbüchern der ersten Jahrhunderte bei der Wortwurzel s-l-m: Tahdhibu l-Lughah. Darin findet sich der im Folgenden zitierte Text in ähnlicher Weise. ↩
- Bei der Wortwurzel s-l-m. Lisanu l-'Arab ist wohl das bekannteste ältere Wörterbuch über die arabische Sprache. Der nordafrikanische Verfasser Ibnu Mandhur (630-711 n. H./1232-1311 n. Chr.) versuchte in diesem Buch möglichst alle wichtigen Wörterbücher vor ihm zusammenzufassen. ↩
- Es gibt also bei diesem Vers verschiedene Lesarten. Die verschiedenen Lesarten des Koran (al-qira'at) sind keine unterschiedlichen Ausgaben des Koran, wie dies vielleicht fälschlicherweise verstanden werden kann. Manche Leute wollen es auch genau so darstellen, um an der Authentizität des Koran Zweifel hervorzurufen. Wie bereits erwähnt, sind sich ernstzunehmende Historiker aber völlig darüber im Klaren, dass dies ein sinnloses Unterfangen ist. Die Tatsache, dass der Prophet صلى الله عليه وسلم einige Stellen des Koran auf unterschiedliche Weise las und dies auch erlaubte, ist in zahlreichen Überlieferungen ausdrücklich erwähnt. Diese verschiedenen Hadithe sind so häufig, dass es sich dabei ohne Zweifel um völlig authentische Überlieferung (auch als tawatur ma'nawi bezeichnet) handelt. In der Regel unterscheiden sich die Lesarten in der Vokalsetzung. Die Bedeutung ist dabei meistens gleich oder sehr ähnlich. Bei Vorhandensein unterschiedlicher Bedeutungen in den authentischen Lesarten umfasst der Vers alle Bedeutungen dieser Lesarten. Dieser Vers ist auch ein gutes Beispiel, um dies zu veranschaulichen. Die verbreiteten sieben mutawatir-Lesarten wurden nach den Namen folgender Leute bekannt: Nafi', Ibnu Kathir, Abu 'Amr, Ibnu 'Amir, 'Asim, Hamzah, al-Kisa'i. Die häufigste Leseart ist jene von 'Asim, welche auch in diesem Buch immer als Grundlage verwendet wird. Dabei sind die genannten Personen keinesfalls die Urheber dieser Lesarten, noch die Begründer von Schulen. Es handelt sich dabei auch nicht um Einzelpersonen, die diese Lesarten mit einer einzelnen Überlieferungskette überlieferten. Vielmehr waren diese Lesungen unter der Gelehrsamkeit und je nach Gebiet auch unter der Bevölkerung hinreichend bekannt. Weil sich die anderen Gelehrten jener Zeit aber darüber einig waren, dass die genannten Personen in ihrer Lesung korrekt sind, verbreiteten sich die Lesarten unter den Namen dieser Gelehrten als Kennzeichnungsmerkmal. In unserem Beispiel gibt es also abgesehen von der Lesung „salaman“ noch „saliman“. Dies wurde von Ibnu Kathir und Abu 'Amr gelesen. Aus den vorherigen Erklärungen dieser Wörter ist ganz klar zu ersehen, dass diese beiden Lesungen ein und dieselbe Bedeutung tragen. ↩
- Im arabischen Text verwendet at-Tabari hier das Wort ashraka. ↩