Ein widersprüchliches Beispiel
Einige Leute wollen an einem Beispiel verdeutlichen, dass es sich bei manchen Polytheisten um unwissende Muslime handelt. Ihnen ist dabei nicht bewusst, dass das von ihnen genannte Beispiel das genaue Gegenteil ihrer Behauptung aufzeigt. Aus diesem Grund soll jenes Beispiel hier zum Zwecke der Verdeutlichung erwähnt und kurz besprochen werden:
Einen Mann, der von der Zivilisation abgeschieden lebt, überkommt Trauer. Er hat keine Möglichkeit zu reisen und wendet sich schließlich dem einzigen shaikh im Dorf zu. Er hat von diesem shaikh nur Gutes gehört und alle Leute bestätigen, dass dieser Mensch ein gelehrter Mann ist.
Dieser Gelehrte ist jedoch selber unwissend und weist ihn an, die Toten um Hilfe anzurufen, damit sie die Gründe für seine schlechte Lage beseitigen. Er begründet dies mit einer Aussage, die dem Propheten صلى الله عليه وسلم zugeschrieben wurde, aber in Wirklichkeit erlogen ist.
Der Mann setzt diese Anweisung schließlich in die Tat um, ruft die Toten an und erfleht von ihnen Errettung, Heilung, die Beseitigung des Unheils usw. Somit erbittet er von ihnen Dinge, zu denen nur Allah im Stande ist, und begeht auf diesem Wege den großen Shirk, im Glauben, einer Anweisung des Propheten صلى الله عليه وسلم zu folgen.
Man kann also sagen, dass dieser Mann nichts anderes wollte, als Allah und Seinem Propheten zu folgen.
Dazu sind folgende Dinge zu sagen:
- Die Person in diesem hypothetischen Beispiel kennt mit Sicherheit nicht die Bedeutung des islamischen Glaubensbekenntnisses. Dieser Mann erfüllt somit die Bedingung des Wissens nicht und kann deshalb unmöglich als Muslim angesehen werden.
- Der Mann betet jemand anderen als Allah an. Er nimmt diesen Beigesellten also zum Ilah und kann so unmöglich als ein Mensch betrachtet werden, der la Ilaha illa-llah umgesetzt hat. Er ist kein Muslim, kein mukhlis, kein Hanif, folgt nicht der millah von Ibrahim عليه السلام und hat auch das Prinzip der Verleugnung des Ta'ghut nicht umgesetzt.
- Er glaubte darüber hinaus, dass die Toten anbetungswürdig wären und verlangte deshalb Dinge von ihnen, zu denen nur der Schöpfer im Stande ist.
- Dass dieser Mann sich zum Islam zählt, ändert nichts an den obengenannten Tatsachen. Genau wie es auch bei den Götzendienern der Araber keinerlei Unterschied machte, dass sie sich zu Ibrahim عليه السلام und seinem Din zählten.
- Die Tatsache, dass er diesem erlogenen Hadith Glauben schenkte, bestätigt nur das Gesagte. Hätte er die Grundlage des Islam wirklich gekannt, wäre es undenkbar, dass er sie wegen irgendeiner völlig gegensätzlichen Behauptung einfach verwirft.
Andernfalls wäre es auch möglich, dass ein Muslim jeder beliebigen Behauptung Glauben schenkt, ohne dass dies irgendeinen Einfluss hätte. Ein Beispiel hierfür wäre, dass jemand einen Muslim von einem Hadith überzeugen will, der angeblich belegt, dass Allah سبحانه وتعالى einen Sohn hätte.
Wäre es denkbar, dass ein Muslim einem solchen Hadith Glauben schenkt? Würde man so jemanden auch ohne weiteres als Muslim bezeichnen, nur weil er sich zum Islam bekennt? Würde man hierbei auch sagen: „Der Mann ist ein Muslim, denn er wollte ja nur dem Propheten صلى الله عليه وسلم folgen.“?
Ohne Zweifel würde jeder sofort einwenden, dass dieser Mensch unmöglich den Islam verstanden haben kann. Dieselbe Reaktion müsste es auch bezüglich der Person im vorherigen Beispiel geben.
- Dies alles abgesehen von der Tatsache, dass dieses Beispiel weit von der heutigen Realität entfernt ist. Das Problem ist, dass es den Anhängern jener Irrmeinung in Wirklichkeit gar nicht um solche vereinzelten, angeblichen Ausnahmesituationen wie im erwähnten Beispiel geht. Es wird hier also auch eine gewisse Unaufrichtigkeit sichtbar.
Denn solche Leute wenden ihre Schlussfolgerungen nicht nur auf einen solchen Extremfall an, sondern schließen davon auf alle anderen Menschen. Auch gemäß ihrer Irrmeinung wäre es unzulässig, die Situation des Beispiels mit der Situation von Leuten gleichzusetzen, die den Koran Tag und Nacht hören, lesen und teilweise sogar auswendig lernen und deren Zugang zum Wissen im Kommunikationszeitalter um vieles erleichtert wurde.