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Kapitel des Buchs: Die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte im deutschsprachigen Raum und der islamischen Welt im Allgemeinen · Als PDF lesen

Einleitung

Im deutschsprachigen Raum, und ebenso weltweit, gab es in den letzten Jahrzehnten eine starke Entwicklung in Bezug auf das Verständnis des Islam. Diese verstärkte Auseinandersetzung gibt es in der islamischen Welt in Wirklichkeit schon seit einem Jahrhundert oder länger. Die neuen Kommunikationstechnologien, wie vor allem das Fernsehen und danach das Internet verstärkten diesen Effekt in den letzten Jahrzehnten aber noch zusätzlich.

Ein Vergleich der heutigen Situation im deutschsprachigen Raum mit jener vor 30 Jahren lässt einen schnell erkennen, wie viele positive Entwicklungen dabei stattgefunden haben. Die Menschen neigen oft dazu, vor allem das Negative ins Auge zu fassen und sich davon auch entsprechend negativ beeinflussen zu lassen. Man hat oft das Gefühl, dass die eigene Zeit zu den übelsten Epochen gehöre und die Zukunftsaussichten nur noch schlechter sind.

Wenn man aber z. B. den angesprochenen Vergleich im deutschsprachigen Raum anstellt, wird man sofort die deutlichen positiven Entwicklungen und Fortschritte in Bezug auf die islamische Geistesbildung sehen können. Wie gesagt, war dies aber nur Teil einer viel größeren Entwicklung. Den Ausgang nahmen all diese Vorgänge ohne Zweifel immer in der arabischen Welt.

Vor 30 Jahren sprach im deutschsprachigen Raum so gut wie niemand über die Salafiyyah und die Notwendigkeit, dass man sich auf die eigentlichen Quellen des Islam, den Qur'an und die Sunnah, zurückbesinnen müsse. Es gab kaum islamische Inhalte in deutscher Sprache, und wenn, dann waren sie sehr allgemein und oft auch mit Irrgedanken oder Fehlern behaftet. Über sehr viele äußerst grundlegende Angelegenheiten des Islam wurde aber nie gesprochen. Solche Dinge waren in der öffentlichen Wahrnehmung gänzlich unbekannt.

Schließlich fingen die Menschen an, sich vermehrt mit der arabischen Sprache zu beschäftigen und selbst zu den Quellen zurückzukehren. Nachdem man zunächst nur versuchte, sich einen Überblick zu machen, wurde bald klar, dass es verschiedene Strömungen in der islamischen Welt gibt und ein Suchen, Vergleichen und Abwägen unumgänglich sein würde.

Später wurde vielen klar, dass grundlegende Inhalte im Zusammenhang mit dem Tauhid (Monotheismus) und dem Schirk (Polytheismus) teilweise unbekannt waren oder ein falsches Verständnis darüber vorherrschte. Dieses Bewusstsein vertiefte sich nach und nach, was bei mehreren Personen zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit solchen Themen führte.

Noch später entwickelte sich das Bewusstsein, dass jene Rückbesinnung auf die ersten muslimischen Generationen, die Salaf, von vielen Anhängern der heutigen Salafiyyah bei weitem nicht so konsequent durchgeführt wird, wie man dies lange angenommen hatte.

Betrachtet man diese Bewusstseinsbildung, so scheint dies auf den ersten Blick eher einem bitteren Erwachen zu gleichen. Natürlich sind solche Erkenntnisse zunächst auch mit Frustration verbunden, die einen auf der Suche nach Verständnis unter solchen Umständen auch immer wieder ereilen wird. Sieht man sich aber die gesamte Entwicklung an, so gab es z. B. im deutschsprachigen Raum wirklich enorme Sprünge nach vorn.

Noch vor fünfzehn Jahren sprach so gut wie niemand in diesen Ländern von einigen Grundfragen des Islam und kaum jemand wurde darauf aufmerksam, dass es in diesem Zusammenhang Fehlverständnisse gibt, geschweige denn, dass diese zum Teil sehr weit verbreitet sind. Heute gibt es eine große Anzahl von Leuten, die sich darüber Gedanken machen – darunter auch Personen, die islamische Wissenschaften studieren und teilweise zu diesem Zweck in das arabische Ausland gereist sind.

Ebenso verhält es sich mit der Rückbesinnung auf die Bücher der Salaf. Noch vor vielleicht fünf Jahren hatte so gut wie niemand eine Vorstellung von dieser Angelegenheit. Jetzt hingegen spricht man in großen Kreisen täglich davon. Es gibt unzählige Kanäle in den sozialen Medien, Vorträge, Bücher und Schriften.

Wenn man sich dies vergegenwärtigt, sieht man eine äußerst schnelle Entwicklung. Fünfzehn oder gar fünf Jahre sind für Entwicklungen in dieser Größenordnung wirklich ausgesprochen schnell. Und wem dies bewusst ist, dem gibt es Anlass zur Hoffnung für zukünftige Entwicklungen.

Es gibt natürlich nach wie vor Unklarheiten. Vieles ist unklar, eventuell noch gar nicht in der gebührenden und notwendigen Weise untersucht worden in dieser Zeit oder in gewissen Gegenden. Dennoch sollte man nicht vergessen, wie gewaltig die positiven Entwicklungen dieser wenigen Jahre waren. Dies sollte für uns alle auch eine Motivation sein, diesen Weg weiterzugehen, uns über unsere Religion weiterzubilden und Allah weiterhin um Klarheit zu bitten. Wir alle sollten nicht vergessen, Allah unseren Dank zu zeigen für viele Dinge, die wir in diesen Jahren besser verstanden haben – auch wenn es Dinge gibt, bei denen wir nach wie vor Unklarheiten haben.

Die hier in der Einleitung beschriebenen Dinge sind der Anlass dazu, einen Blick auf einige Entwicklungen der islamischen Szene in den letzten Jahrzehnten zu werfen. Das Ziel davon ist unter anderem, einige Entwicklungen besser zu verstehen und vor allem die Hintergründe davon zu erkennen. Es soll gezeigt werden, wie stark diese Entwicklungen mit dem arabischen Raum verbunden sind und dass sie niemals isoliert betrachtet werden können. In diesem Zusammenhang soll auch auf einige Fehleinschätzungen hingewiesen werden, damit wir alle daraus – mit der Erlaubnis Allahs – für die Zukunft Nutzen ziehen können.

Es ist klar, dass in diesem eher kurzgefassten Umfang nicht auf alle Aspekte und Einzelheiten eingegangen werden kann. Vielmehr soll ein Überblick gegeben und größere Zusammenhänge anhand einiger Beispiele verdeutlicht werden.

Die vorliegende Schrift kann an sich von jedem gelesen und die allgemeine Aussage davon verstanden werden. Jedoch wird es für das richtige Verständnis einiger Dinge unerlässlich sein, dass der Leser bereits gewisse Vorkenntnisse besitzt. Im Speziellen sollten bei denjenigen Stellen, bei denen auf andere Publikationen von mir verwiesen wird, keine voreiligen Schlüsse gezogen werden, bevor diese anderen Bücher und Schriften gelesen wurden. Andernfalls kann es bei den angesprochenen Angelegenheiten zu oberflächlichen oder falschen Verständnissen kommen.