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Kapitel des Buchs: Erklärung des Vorworts zum Tafsir von Ibnu Abi Hatim ar-Razi · Als PDF lesen

Anmerkung zum Tafsir mit der bloßen Meinung - Tadabbur, Istinbat und sprachliche Bedeutung des Qur'an

Das zuvor über die Auslegung mit der bloßen Meinung (at-Tafsiru bi-r-Ra'y) Gesagte bedeutet übrigens nicht, wie viele heute aus mangelnder Kenntnis der Tafsir-Überlieferungen und der Tafsir-Wissenschaft annehmen, dass es ganz und gar nicht erlaubt wäre, etwas zu einer Ayah des Qur'an zu erwähnen, ohne dafür eine entsprechende Aussage von den Salaf anzuführen.

Die Gelehrten der ersten vier Generationen selbst und auch jene danach innerhalb der ersten Jahrhunderte islamischer Zeitrechnung führten immer wieder Stellen aus dem Qur'an an, ohne dafür eine entsprechende Aussage eines Vorgängers zu zitieren.

Man unterscheidet hierbei vor allem die Begriffe Tafsir, Tadabbur und Istinbat. Tadabbur beschreibt das Nachsinnen und tiefe Nachdenken über einen Qur'an-Vers. Der sogenannte Istinbat hingegen beschreibt die Ableitung eines nicht offensichtlichen Inhalts aus einer Textstelle des Qur'an. Darunter fallen z. B. auch Rechtsableitungen zu neuen Angelegenheiten (Nawazil), die in dieser Form damals noch nicht vorgefallen waren.

Abgesehen davon war ein großer Teil des Qur'an dem damaligen Araber alleine durch sein Sprachverständnis klar – worauf später noch genauer eingegangen wird. Auch heute ist für den (grundlegend gebildeten) Araber häufig zumindest die allgemeine Aussage eines Verses durch seine Sprachkenntnis klar.

An diesen Punkten zeigt sich, dass ein Mensch durchaus einen Qur'an-Vers zitieren und z. B. seine allgemeine und auch sprachliche Bedeutung erklären kann, ohne dadurch gleich in den verpönten Tafsir anhand der bloßen Meinung (At-Tafsiru bi-r-Ra'yi l-Madhmum) zu fallen.

Vielmehr ist in diesem Kontext wichtig, dass niemand versuchen soll, den Qur'an nur durch seine eigene Meinung zu verstehen, ohne bzw. bevor er die entsprechenden Überlieferungen zum Tafsir studiert hat.

Der Tadabbur und der Istinbat sind also nicht an sich falsch oder verwerflich. Sie sind erst dann abzulehnen, wenn sie völlig losgelöst von den Überlieferungen der Salaf stattfinden bzw. vor der Kenntnis dieser Überlieferungen angestellt werden.

Wenn jemand diese notwendige vorherige Kenntnis der Überlieferungen nicht hat, wird er ihnen zwangsläufig manchmal widersprechen. Das Problem ist, dass die meisten Menschen heute nach ebendieser falschen Methode vorgehen, ohne sich der Problematik überhaupt bewusst zu sein, was zu zahlreichen Fehlverständnissen über den Qur'an und den Tafsir geführt hat.