Vorwort zur zunehmenden Kriminalisierung theologischer Abhandlungen und Inhalte
Seit einiger Zeit gibt es – vor allem auch in der westlichen Welt – eine zunehmende Politisierung der Diskussion über islamische Inhalte. In dieser Atmosphäre von Skepsis und aufgeheizten Debatten kommt es verständlicherweise häufig zu Missverständnissen. Solche Umstände erschweren die ruhige Behandlung islamischer Themen, egal ob es sich um innerislamische, interreligiöse oder sonstige Diskussionen handelt.
Missinterpretationen sind unter solchen Bedingungen im Grunde nicht zu vermeiden, viel eher sind sie an der Tagesordnung, zumal sie nicht selten auch ganz bewusst vorgenommen und instrumentalisiert werden. Deshalb soll hier schon zu Beginn auf einige Punkte in diesem Zusammenhang eingegangen werden.2
Das vorliegende Buch ist eine Abhandlung zum Thema Qur'an-Exegese (Tafsir), veranschaulicht am Beispiel eines innerhalb der islamischen Gemeinschaft vieldiskutierten Qur'an-Verses. In diesem Zuge sollen die Unterschiede zwischen der Herangehensweise früher Mufassirin (Qur'an-Exegeten) und der heutigen bzw. späteren Vorgehensweise im Tafsir herausgearbeitet werden.
Der Vers, der dabei untersucht wird, behandelt unter anderem die Themen Gehorsam, Gesetzgebung, Regentschaft und Gerichtsbarkeit aus islamrechtlicher und islamisch-theologischer Sicht. Da diese Themen im Zusammenhang mit dem Islam heute viel diskutiert werden, scheint es umso sinnvoller, an dieser Stelle auf einige wichtige Punkte hinzuweisen.
Abgesehen davon muss auch erwähnt werden, dass es bei Muslimen selbst falsche Verständnisse gibt, die aus Unwissenheit über die islamischen Quellen resultieren und nicht selten zur Übertreibung in religiösen Angelegenheiten führen. Dieses Buch soll dazu beitragen, auf mögliche Fehlverständnisse hinzuweisen, indem diese Angelegenheiten auf die eigentlichen islamischen Quelltexte und das Verständnis der ersten Generationen der islamischen Geschichte zurückgeführt werden.
Fußnoten
- An dieser Stelle sei auch auf das umfassende Vorwort zu dieser Problematik im früher schon erschienenen Buch „Die Lehre des Monotheismus - Eine theologische und geschichtswissenschaftliche Erarbeitung der ursprünglichen Lehre des Monotheismus aus den frühesten Quellen des Islam“ verwiesen. ↩