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Der Umgang mit den bida'

Hauptteil · Volltext-Kapitel aus der Schrift Der Weg der Salaf – Eine andere Welt · Als PDF lesen

Der Umgang mit den bida', egal ob mukaffirah oder nicht mukaffirah7, war bei den Salaf mit Sicherheit auch völlig anders, als es die Allgemeinheit der heute bekannten schuyukh weltweit predigt.

Hier muss jedoch auf zwei Punkte hingewiesen werden.

Erstens: Es gibt heute einige Strömungen, die behaupten, dass jeder, der auch nur irgendwie dem Weg der Salaf widerspricht, sofort als mubtadi' gebrandmarkt und mit äußerster Härte behandelt werden muss.

Man müsse immer sofort den hajr, also den völligen Boykott, durchführen und wer dies nicht umsetzt, der wird selber zum mubtadi'. Es kommt zu einem regelrechten Ketten-tabdi'.

Dabei sieht man, dass diese Leute selber irgendwelche bid'ah-Regeln aufstellen und völlig absurde Aussagen treffen, die ihrerseits dem manhaj der Salaf widersprechen.

Zweitens: Ebenso sieht man bei solchen Leuten, wie sie bewusst und krampfhaft versuchen, ständig irgendwelche noch so verborgenen Detailfragen herauszusuchen, um dann jeden als mubtadi' auszuschalten, der nicht ihrem eigenen Standpunkt entspricht. Häufig ist es dabei auch so, dass sie in Wirklichkeit ihr spezielles Verständnis einfordern, wobei sie mehrfach auch ganz bewusst andere Aussagen der Salaf in denselben Angelegenheiten verschweigen, weil diese ihrer Darstellung widersprechen. Manchmal ist es geradezu irrsinnig, wie solche Leute auf der einen Seite jeden diffamieren, er würde die Aussagen der Salaf nicht würdigen, und gleichzeitig bei einigen Themen Aussagen der Salaf massiv verschweigen und unterschlagen, weil diese ihrer eigenen Meinung widersprechen.

Der Umgang der Salaf war jedoch nicht so banal, wie diese Leute es darzustellen versuchen. Wie schon früher in anderen Bereichen geschehen, fallen solche Leute im Grunde wieder in denselben Fehler, einzelne Aussagen zu präsentieren und als unumstößliche Grundregel einzusetzen. Sie achten dabei nicht auf den Gesamtkontext oder ignorieren diesen vorsätzlich, wodurch sie selbst in das typische Verhaltensmuster der mubtadi'ah fallen.

Dass die Salaf nicht alle bida' und mubtadi'ah gleich behandelten, stellenweise auch zur sanftmütigen Behandlung aufriefen, auch ruhige Gespräche mit einigen Irregegangenen suchten, wird dabei fast immer völlig verschwiegen.

Da heute viele Menschen diese Rückkehr zu den Quellen vornehmen wollen, aber nicht die Fähigkeit haben, solche Behauptungen zu prüfen und zu unterscheiden, folgen viele davon zumindest eine Zeit lang solchen Strömungen. Oft haben sie dabei die Überzeugung, sie befänden sich gerade auf „dem einen unveränderlichen Weg der Salaf“, während sie in Wirklichkeit nur den Interpretationen und Behauptungen eines Scheikh's folgen, den sie als den größten Gelehrten seit Jahrhunderten ansehen.

Fußnoten

  1. Nicht jede unerlaubte Neuerung im din führt dazu, dass ein Mensch in den kufr verfällt. Wenn die frühen Gelehrten von den firaq (Splittergruppen/Sekten) der mubtadi'ah sprachen, meinten sie damit häufig nicht den kufr, sondern abgeirrte Muslime, die unerlaubte Neuerungen vertraten. Dabei handelte es sich also nicht um sogenannte bida' mukaffirah. ↩