Ein arabisches Buch und eine Begebenheit, die das verdeutlicht
Eine Begebenheit im deutschsprachigen Raum, die im Folgenden allgemein wiedergegeben wird, zeigt sehr deutlich, wie schwer sich die meisten Menschen – auch im deutschsprachigen Raum – tun, Dinge zu unterscheiden:
Vor einiger Zeit sagte mir ein Bruder, dass er mit der Übersetzung eines arabischen Buches begonnen hat. Der Bruder wollte es übersetzen, weil er sich sicher war, dass der (zeitgenössische) Autor nur Aussagen von den Salaf erwähnt und auch nur diese vertritt.
Ich hatte das Buch ganz gelesen und kannte deshalb den Inhalt. Das Buch hat etwas mehr als 500 Seiten, darin viele Zitate von den Salaf. Es geht um ein wichtiges 'Aqidah-Thema und aus dem Buch kann man sicherlich viel Nutzen ziehen.
Jedoch war es in Wirklichkeit nicht so, wie sich die Leute im deutschsprachigen Raum überall zu erzählen begannen und angenommen hatten, und zwar aus folgenden Gründen:
- Ein Großteil der Zitate des Buches ist nicht von den Salaf, vielleicht sogar die Hälfte oder ein Drittel. Jedenfalls wird zu einem großen Teil von Gelehrten um das 8. Jhdt. n. H. zitiert.
- Es wird auch von heutigen Autoren zitiert. Das erste Buch (!), auf das darin überhaupt verwiesen wurde, hat den Titel „ar-Raddu l-athariyyu l-mufid“. Der Autor dieses Buches ist sicher kein „athari“ und so jemand schreibt auch sicher kein Buch, das „athari“ ist, das also der Methode der Leute der Überlieferungen (Athar, Ez. Athar) folgt. Es handelt sich dabei nämlich um Mahmud ibn 'Umar Abu 'Umar, einen Palästinenser mit der Kunya Abu Qatadah.
Vielen Menschen ist nicht klar, dass es sich um diese Person handelt, wobei dies natürlich sofort über das Internet herauszufinden ist, wenn man den Namen des Autors sucht. Auch dem Autor des hier besprochenen Buches war das nicht klar, weshalb er auf das Buch von Abu Qatadah gleich am Anfang verwies.
Außerdem wird in dem Buch auch von Leuten wie Ibnu Baz zitiert, dem vormaligen Großmufti Saudi-Arabiens – also eine zeitgenössische Person und nicht jemand von den Salaf.
Ich fragte deshalb diesen Bruder, ob er sich über diese Dinge im Klaren ist und es zeigte sich, dass er davon überhaupt keine Kenntnis hatte. Er hatte nur wenige Seiten am Anfang des Buches gelesen.
In unserer Zeit und Situation ist es allzu leicht möglich, dass so etwas passiert, auch wenn ein Bruder eine gute Absicht hatte und nichts Falsches vermutete.
Aber genau darin liegt das Problem, auf das hingewiesen werden muss. Wer solche Dinge erkennt, der ist auch verpflichtet, dafür ein gewisses Bewusstsein zu generieren, soweit es ihm möglich ist.
Aus der hier erzählten Begebenheit ist also eindeutig zu sehen, dass dieses Buch sicher nicht nur den Kalam der Salaf wiedergibt, auch wenn es wie gesagt im Allgemeinen nützliche und richtige Inhalte vermittelt.