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Kapitel des Buchs: Die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte im deutschsprachigen Raum und der islamischen Welt im Allgemeinen · Als PDF lesen

Abu Maryam

Aus dem bisher Gesagten zeigt sich bereits, dass auch Abu Maryam al-Kuwaiti nur aus einem einzigen Grund in dieser Entwicklung von Interesse war, nämlich, dass er diesen einen Gedanken aufnahm und ihn an andere weitergab. Da Abu Maryam al-Kuwaiti jedoch kaum jemandem bekannt war, war dieser Personenkreis äußerst eingeschränkt – kein Vergleich z. B. mit 'Aliyy al-Khudair, al-Fauzan, Ibnu Jibrin, al-Ghunaiman usw.

Im deutschsprachigen Raum fand der Name Abu Maryam nur deshalb Verbreitung, weil dieser Kerngedanke von ihm an Personen in diesem Sprachraum weitergegeben wurde.

Da Menschen ganz allgemein – und so auch im deutschsprachigen Raum – dazu neigen, ihre sehr eingegrenzte Umgebung als das gesamte Universum zu betrachten, glauben viele bis heute, es handle sich bei Abu Maryam um eine geschichtsträchtige Person, um einen Gelehrten von ungeheurer Wichtigkeit.

Diese Vorstellung ist jedoch – gelinde gesagt – sehr realitätsfern. Bei Leuten wie Abu Maryam – und bei mir und anderen im deutschsprachigen Raum tätigen Personen verhält es sich nicht anders – handelte es sich eher um einen mittelmäßigen Studenten des Wissens. Er und andere in diesem Text genannte Personen spielen in einem globalen und gesamtgeschichtlichen Kontext der Lehre des Islam keine irgendwie nennenswerte Rolle.

Abu Maryam kann man zugutehalten, dass er diesen zentralen wichtigen Inhalt an einige Personen vermittelt hat. Wer dies von ihm vermittelt bekam, muss Dankbarkeit dafür zeigen, dass er diese Information aufnehmen durfte.8 Dieser Umstand bedeutet jedoch nicht, dass Abu Maryam irgendein besonderes Gelehrtenwissen gehabt hätte.

Es ist deshalb hier auch zu sagen, dass Abu Maryam niemals „mein Schaikh“ war, in dem Sinne, wie dies Leute gerne verstehen wollen – also, dass ich mich ihm völlig unterworfen und mich in jeder Sache an ihn gebunden hätte. Diese Vorstellung ist absurd.

Zweifelsohne war Abu Maryam damals schon länger mit dem Studium befasst und belesener als ich und jeder andere in meiner Umgebung. Ebenso war ich und andere noch sehr unerfahren. Das ist eine klare Sache und völlig natürlich und war in der damaligen Situation auch gar nicht anders möglich. Es war deshalb völlig klar, dass er zu Dingen befragt wurde, um seine Meinung zu hören. Das machte ihn nicht zum unangefochtenen Imam und Führer, dem man sich willenlos unterwerfen müsse, wie dies einigen vorschwebt.

Umso klarer wurde dieser Umstand in den Jahren darauf. Es wurde schnell deutlich, dass sich auch Abu Maryam, ebenso wie jeder andere, in einer Entwicklung befand, die gerade im Gange war. Ich hatte mit Abu Maryam nur einige Jahre Kontakt. Danach brach dieser völlig ab.

Manche Leute konstruieren irgendwelche absurden Geschichten, in Bezug auf „meinen Schaikh“ oder sonstiges, und meinen, ich müsse mich nun zu dieser Person in jedem Bezug äußern. Solche Leute leben in einer Phantasiewelt, die in der Realität nicht existiert.

Was die Person genau sagte in Detailfragen, das ist unklar, sowohl für mich als auch für jeden anderen, und es ist äußerst bedeutungslos. Es spielt überhaupt keine Rolle. Sich damit zu beschäftigen, ist völlige Zeitverschwendung, und wer vorgibt, er müsse durch solche merkwürdigen Konstruktionen vor irgendjemandem warnen, weil er sich nicht von Person x wegen einem angeblich irgendwann irgendwie geäußerten Gedanken y losgesagt hat, der belegt damit nur die tiefe Krankheit in seinem Herzen.

Wie gesagt, wurde der zentrale Gedanke über den Tauhid und Schirk von vielen Personen vermittelt. Diese Anstrengungen an sich – ganz abgesehen davon, was solche Personen sonst gesagt oder getan haben – muss man würdigen. Auch wenn man wie gesagt gleichzeitig wissen muss, dass all diese Leute irgendwann neu zu diesem Gedanken kamen und sich von da an in einer anhaltenden Entwicklung befanden. Und dies führte bei ihnen allen dazu, dass sie hier und da Meinungen änderten, unklare Aussagen trafen, manche von ihnen viel redeten und wenig sagten, bei den Konsequenzen, die sie darauf bauten, Unklarheiten hatten usw. – mehr oder weniger.

Aus dem Gesagten sollte nun jedem klar sein, dass NICHTS, was in den letzten zwanzig Jahren von mir oder anderen im deutschsprachigen Raum vermittelt wurde, neu erfunden war. Die bloße Vorstellung ist absurd. Es handelt sich bei jeder einzelnen Sache um eine globale Entwicklung, die ausnahmslos in der arabischen Welt ihren Ursprung hatte und deren Wurzeln Jahrhunderte und letztlich über ein Jahrtausend bis in die Anfänge des Islam zurückreichen.

Fußnoten

  1. Das sagt jedoch nicht aus, dass seine Methode oder seine sonstigen Ansichten deshalb in jedem Punkt korrekt waren oder von mir geteilt oder gestützt wurden oder werden. ↩