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Kapitel des Buchs: Die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte im deutschsprachigen Raum und der islamischen Welt im Allgemeinen · Als PDF lesen

Die Rolle von Ibnu Taimiyyah

Es ist natürlich klar, dass diese gesamte Entwicklung, wenn man weiter in der Geschichte zurückgeht, als nächster Schritt auf Ibnu Taimiyyah zurückzuführen ist. Denn die Da'wah najdiyyah bezog sich voll und ganz auf ihn. In ihren Büchern wird alles belegt und untermauert mit Aussagen von Ibnu Taimiyyah – kein Zweifel.

Jedoch waren die Aussagen von Ibnu Taimiyyah in Bezug auf die zu Beginn erwähnte islamische Grundfrage bei weitem nicht so häufig und so deutlich wie jene der Da'wah najdiyyah. Teilweise gab es von Ibnu Taimiyyah auch missverständliche Aussagen in diesem Bezug, die seit Jahrhunderten von Leuten benutzt werden, um zu belegen, ein Muschrik könne ein Muslim sein.

Natürlich ist dies von Grund auf absurd, denn selbst wenn Ibnu Taimiyyah dies so gemeint hätte, hätte es absolut keine Beweiskraft. Solange so etwas nicht eindeutig durch den Qur'an, die Sunnah und den Konsens der Prophetengefährten belegt werden kann, könnte es niemals angenommen werden. Und es ist unmöglich, dass diese Quellen des Islam der Grundlage des Islam widersprechen. Dies ist aber nicht Thema der vorliegenden Schrift. Es wurde im Detail im Buch „Die Lehre des Monotheismus“ ausgeführt.

An dieser Stelle ist es jedoch sehr angemessen zu erwähnen, dass auch heute JEDER, der sich in irgendeiner Weise der Salafiyyah zurechnet, von Ibnu Taimiyyah gelernt hat. Wer etwas anderes behauptet, macht sich lächerlich.

Im Speziellen sei jene Szene erwähnt, die sich heute „nur zu den Salaf“ bekennt. Diese Leute, ihre Lehrer und die Lehrer ihrer Lehrer, sie alle setzten sich stark mit den Büchern Ibnu Taimiyyahs auseinander und profitierten massiv von ihm. Dies ist ein Faktum, das unmöglich abgeleugnet werden kann und dessen man sich auch bewusst sein muss.

Leute im deutschsprachigen Raum, die keinen ernsthaften Talabu l-'Ilm betrieben, also den Islam nicht ernsthaft studiert und vor allem durch Internet-Beiträge ihren Din gelernt haben, bilden sich ein, sie hätten von ihrem – gemäß ihrer Wahrnehmung – äußerst bedeutenden Schaikh alles gelernt und somit „nur von den Salaf“ genommen. Das ist natürlich absurd, da ihr Schaikh nicht von den Salaf ist. Auch alle Informationen, die sie aufnahmen, bevor sie diesen Schaikh kennenlernten, waren im Grunde ALLE nicht von den Salaf und nicht direkt aus ihren Büchern entnommen. Zudem hat jener für sie große Schaikh selbst den Din von Ibnu Taimiyyah und anderen gelernt, bevor er eine weitere Rückkehr zu den Salaf angestrebt hat. Dies ist also in mehrfacher Hinsicht ein direktes und indirektes Beziehen des Wissens von Menschen, die viel später gelebt haben als die Salaf.

Man könnte dafür viele Beispiele geben, da dies auf jeden einzelnen zutrifft, dessen Anhänger glauben, es handle sich bei der Person um eine lebendige Kopie der Salaf. Ein Beispiel, das hier vielleicht repräsentativ sein kann, weil die Anhänger jener Person ihn tatsächlich als „den Schaikh der Ahlu s-Sunnah in dieser Zeit“ betiteln, ist Mahmud al-Haddad9.

Er und seine Anhänger suggerieren ständig, dass sich Haddad im Grunde immer auf „der Wahrheit“ und dem Weg der Salaf befunden hätte. Tatsache ist jedoch, dass er genau wie jeder andere in der Salafiyyah von Ibnu Taimiyyah und anderen lernte, bis er sich schließlich gegen ihn richtete. In früheren Büchern zitierte al-Haddad von Ibnu Taimiyyah und bezog sich auf ihn, genau wie dies für jeden üblich ist und war, der sich zur Salafiyyah bekannte.

Entsprechend grotesk ist auch, dass seine Anhänger alle anderen verunglimpfen und vor ihnen warnen, mit der Begründung, diese Personen hätten zu irgendeinem Zeitpunkt einmal andere Ansichten gehabt, deshalb wüsste man nie so genau und könnte ihnen keinesfalls trauen. Die Salaf – wird argumentiert – haben auch vor solchen Überresten früherer falscher Überzeugungen gewarnt.

Das stimmt schon, aber selbst einige große Imame der Salaf wuchsen mit diversen Bid'ah-Ansichten auf. Würde dies abgesehen davon uneingeschränkt gelten, so müsste man es auch auf al-Haddad selbst anwenden. Dieses fadenscheinige Argument ist also nicht sehr förderlich für ihn selbst und es zeigt letztlich, dass man nur mit allen Mitteln von allen anderen abhalten will, sei es noch so unlogisch.

Fußnoten

  1. Das Wort „Haddadi“ kennt quasi jeder in der arabischen Welt, und zwar als Synonym für „Takfiri“. Die Wenigsten haben aber jemals irgendeine Schrift oder Audio von ihm gesehen bzw. gehört, was diverse Gründe hat.

    Was er als Person genau sagt oder vertritt, ist für die Allgemeinheit grundsätzlich nicht so relevant, dass man viel Zeit oder viele Gedanken dafür aufwenden müsste. Hier sollten er und seine Anhänger nur als Beispiel dienen. Wer mit den Anhängern in Kontakt kam, der versteht besser, um was es hier geht. ↩