Ahmad al-Hazimi
Al-Hazimi kam im Vergleich zu den genannten Personen erst um einiges später zu diesem hier besprochenen Kerngedanken. Er ist zeitlich der letzte von den am Anfang genannten Personen, dem diese Dinge klar wurden und der begann, sie zu vermitteln. Die Idee, al-Hazimi wäre irgendwann mein Shaikh gewesen, von dem ich diese Gedanken erhalten hätte, ist also allein aus dieser Hinsicht schon nicht richtig.
Al-Hazimi wurde dann jedoch ziemlich schnell bekannt für die Verbreitung dieses Gedankens, da er anfing, die Angelegenheit in seinen Vorträgen wiederholt zu thematisieren. Im deutschsprachigen Raum gab es zu jenem Zeitpunkt bereits eine Anzahl von Leuten, die diesen Gedanken schon kannten. Die Angelegenheit war im deutschen Sprachraum also nicht völlig unbekannt.
Schon vor al-Hazimi gab es übrigens eine weitere Person, die sich zwar in einigen Punkten unterschied, aber auch sehr deutlich und bestimmt diesen Gedanken der Gegensätzlichkeit von Islam und Shirk verbreitete: Abdurrahman al-Hijji. Dieser Name drang aber in den deutschen Sprachraum kaum vor und war dort über all die Jahre kaum jemandem bekannt.
Von al-Hijji hatte ich bereits gehört, bevor ich von al-Hazimi erfuhr. Einige Zeit später wurde al-Hazimi dann im deutschsprachigen Raum nach und nach bekannt, bis ein regelrechter Hazimi-Hype unter vielen Leuten entstand.
Selbst Leute, die vorher vehement solche Gedanken ablehnten und z. B. mich als extrem abgeirrten Takfiri und Übertreiber bezeichneten, lenkten plötzlich ein, als sie merkten, dass sie dies nun mit einem „Großgelehrten“ rechtfertigen könnten, wie es ihnen erschien.
Zudem gab es viele Leute in den deutschsprachigen Ländern, die diesen Gedanken zwar angenommen hatten, aber in den Jahren darauf einfach nicht damit fertig wurden, dass er sich nur schwer verbreiten ließ bzw. sogar ziemlich viel Anfeindung erfuhr.
Als hingegen plötzlich al-Hazimi erschien, wurden solche Leute geradezu euphorisch. Viele litten davor unter gewissen Minderwertigkeitskomplexen, da sie nichts sagen konnten, wenn sie nach ihren „bekannten Gelehrten“ gefragt wurden. Aber mit al-Hazimi sahen sie nun die Möglichkeit, diese Frage zu beantworten, weshalb sich viele voller Freude hinter ihn stellten. Eine gewisse Anzahl davon hält nach wie vor an al-Hazimi fest und glaubt noch immer, es handle sich bei ihm um den bedeutendsten Gelehrten seit vielleicht Jahrhunderten und quasi um den Schlüssel zum wahren Islam in dieser Zeit.
Da sich dies so zugetragen hat und bis heute im deutschen Sprachraum nachwirkt, werde ich im Folgenden auf Fragen bezüglich al-Hazimi eingehen, die über die Jahre immer wieder aufgeworfen wurden.
Ich habe auf solche Fragen eigentlich nie geantwortet. Wenn ich hier und da schriftliche Hinweise gegeben oder Andeutungen gemacht hatte10, waren diese – wie sich mehr und mehr für mich herausstellte – wohl zu unklar formuliert und wurden deshalb von den meisten nicht verstanden.
Aus gewissen Gründen kann es zu einem Grad Sinn machen, zu dieser Thematik etwas zu sagen. Vor allem auch deshalb, weil manche Leute – aus der islamischen Gemeinschaft und auch vonseiten mancher Pseudo-Islamexperten – mich seit längerem in seine Nähe rücken wollen.
Jedoch sollte hier klar sein, dass es in Wirklichkeit nicht um al-Hazimi als Person geht. Denn wie sich in den folgenden Punkten deutlich zeigen wird, unterscheidet sich al-Hazimi in der Herangehensweise eigentlich nicht von tausenden anderen Shuyukh heute. Auch die bereits genannten Personen, wie 'Aliyy al-Khudair usw. teilen im Großen und Ganzen völlig das heute vorherrschende „Salafiyyah-Verständnis“, wenn es um die Frage geht, wie man mit den Aussagen der Salaf bei der Beweisführung umgehen sollte und wie sehr man sich tatsächlich auf sie zurückberuft.11
Nur wenige Personen, wie z. B. der zuvor genannte Abdurrahman al-Hijji, können von dem Gesagten ausgenommen werden. Er vollzog schon vor relativ langer Zeit eine starke Zuwendung zum Wissen der Salaf. Auch wenn er einige Ansichten hat, die in unterschiedlichen Kreisen umstritten sind oder abgelehnt werden. Dennoch lässt er sich von der Methode her in diesem Punkt nicht mit den anderen vergleichen.
Aus den genannten Gründen soll im Folgenden al-Hazimi als stellvertretendes Beispiel dienen, um gewisse Problematiken aufzuzeigen, die heute vorherrschend sind und keineswegs nur ihn als Person betreffen.
Aus diesem und zuvor genannten Gründen, wie der Bekanntheit al-Hazimis in einigen deutschsprachigen Kreisen, macht es Sinn, auf die Fragen einzugehen. Und es macht demgegenüber keinen Sinn, dem bisher über andere Personen bereits Gesagten noch viel hinzuzufügen, da dies meistens nur zu einer Wiederholung der folgenden Punkte führen würde.
Kapitel dieses Abschnitts
Fußnoten
- wie z. B. in der Schrift „Der Weg der Salaf – Eine andere Welt“ ↩
- In Bezug auf diesen Punkt muss man der Vollständigkeit halber jedoch erwähnen, dass Leute wie 'Aliyy al-Khudair und Abdullah al-Ghunaiman stets bestrebt waren, sich in ihren Vorträgen und Büchern auf die Überlieferungen zu konzentrieren. Auch wenn diese Personen wie gesagt einige Kernprobleme der heutigen allgemeinen Salafiyyah teilen, waren sie der Philosophie immer mehr oder weniger stark abgeneigt. Al-Ghunaiman hat mehrere Bücher der Salaf und auch größere Kapitel aus Hadith-Werken wie dem Sahih von al-Bukhari unterrichtet.
'Aliyy al-Khudair verfasste mehrere Sammlungen, die er Ajza' nannte. Das Wort Juz' (Pl. Ajza') wurde bei den frühen Gelehrten für Sammlungen von Überlieferungen zu einem gewissen Thema verwendet.
(Übrigens sieht man heute hier und da Bücher, die in dieser Art betitelt werden, aber zum Großteil aus den Kommentaren des Autors bestehen und dem Begriff Juz' somit eigentlich nicht gerecht werden – wallahu a'lam.)
In diesen Werken versuchte al-Khudair zumindest, sich auf Überlieferungen zu beschränken und kommentierte diese kaum – auch wenn ein großer Teil jener Zitate nicht von den Salaf und teilweise auch von problematischen Personen stammte.
Sowohl bei al-Khudair als auch bei al-Ghunaiman war das klare Übergewicht und die Konzentration der Tätigkeit aber auf den Werken der Da'wah najdiyyah. ↩