Die nicht endende Diskussion über Abu Hanifah zwischen Kritik und Verteidigung
Das Thema Abu Hanifah ist umfangreich und seit langem Gegenstand von zahlreichen Diskussionen. Allgemein soll hier nochmals (in leicht editierter Form) erwähnt werden, was ich bereits in einer Anmerkung zu einer Freitagsansprache hierzu sagte:
„In diesem Zusammenhang muss aber darauf hingewiesen werden, dass es von sehr vielen bedeutenden Hadith-Gelehrten vehemente Kritik an Abu Hanifah gab, die sich abgesehen davon auch nicht nur auf eine einzelne Thematik bezog.
Dies führte zu einer endlosen Diskussion über die Person von Abu Hanifah, die bis heute anhält und auch in Zukunft wohl wieder verstärkt aufflammen wird. Es wurden wahrscheinlich kaum zu einer einzelnen Person der islamischen Geschichte so unterschiedliche Positionen bezogen und so viel kontrovers diskutiert wie in Bezug auf Abu Hanifah.
In einigen Fällen wurde die Kritik an Abu Hanifah von einigen etwas späteren Autoren relativiert, aber im Allgemeinen wird man die so zahlreiche Kritik nicht einfach abtun können. Viele dieser Aussagen wurden wie gesagt von bedeutenden Gelehrten getätigt und auch die Überlieferungsketten zu jenen Hadith-Gelehrten können nicht einfach allesamt als falsch klassifiziert werden.
Damals wie heute hatte ich jedoch keinesfalls die Absicht, diese Thematik in größerem Rahmen aufzuarbeiten, schon gar nicht in deutscher Sprache, weshalb ich mich mit diesem Hinweis begnüge.“
Diese Thematik kann also nicht schnell abgehandelt werden. Wer darüber spricht, wird sich schnell mit diversen Verteidigungen und Gegendarstellungen konfrontiert sehen. Hier soll es sich also nur um einen Hinweis handeln.
Auch die oben erwähnte Begebenheit zwischen Abu Hanifah und Abdullah ibnu l-Mubarak wurde nur im Sinne eines Beispiels genannt. Sicherlich werden viele Leute versuchen, solche Dinge wegzudiskutieren. In diesem konkreten Fall z. B. erwähnen manche eine andere Begebenheit zwischen Abu Hanifah und al-Auza'i in Bezug auf das Heben der Hände, welche im sogenannten „Musnad von Abu Hanifah“ erwähnt wird.
Das Problem ist, dass all die Argumentationen dieser Art keineswegs fundiert sind. Zum einen ist zu erwähnen, dass diese überlieferte Diskussion an sich jene Begebenheit zwischen Abdullah ibnu l-Mubarak und Abu Hanifah nicht unwirksam oder ungeschehen macht.
Zum anderen ist aber ganz grundsätzlich zu sagen, dass Abu Hanifah niemals einen „Musnad“ oder eine sonstige Hadith-Sammlung verfasst hat – und mal angenommen es wäre so, dann hätten die Gelehrten des Hadith ihr überhaupt keinen Wert beigemessen.
Der sogenannte Musnad von Abu Hanifah wurde erst später zusammengetragen und die darin enthaltenen Überlieferungen wurden meines Wissens niemals von einem nennenswerten Hadith-Gelehrten ernsthaft herangezogen oder gar in Gegensatz zu anderen Überlieferungen gestellt. Wenn so etwas gemacht wird, dann von Leuten, deren Anliegen es ist, Abu Hanifah um jeden Preis zu verteidigen, und die im Regelfall auch kein vertrauenswürdiges und umfassendes Wissen über die Hadith-Überlieferung haben.
Hier soll aber wie gesagt gar nicht erst begonnen werden, die einzelnen Argumente in dieser Diskussion aufzuarbeiten. Ich begnüge mich mit den bisher erwähnten Hinweisen. Aus dem bereits Gesagten wurde jedoch schon völlig klar, dass die Überlieferungen über Kritik an Abu Hanifah äußerst zahlreich und zudem in vielen Fällen sehr heftig waren.