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Kapitel des Buchs: Die Lehre des Monotheismus · Als PDF lesen

Die Bedeutung der Begriffe „kleiner Schirk“ und „großer Schirk“

Es ist nach der vorausgehenden Erklärung des Wortes Schirk wichtig, darauf hinzuweisen, dass derjenige Polytheismus, der in diesem Buch primär thematisiert wird, der sogenannte „große Schirk“ (Schirkun akbar) ist.

In den islamischen Quelltexten wird das Wort Schirk aber noch in einer anderen Bedeutung verwendet. Dabei handelt es sich um den sogenannten kleinen Schirk (Schirkun asghar).

Dieser kleine Schirk stellt laut der islamischen Glaubenslehre zwar eine Sünde dar, jedoch fällt dabei kein tatsächlicher Polytheismus vor, da nicht wirklich einer Sache neben Allah سبحانه وتعالى Anbetung entgegengebracht wird.

Begeht ein Muslim eine solche Tat des kleinen Schirk, so wird er dadurch nicht zum Polytheisten. Ebenso wie bei anderen Sünden auch, verlässt ein Mensch durch den kleinen Schirk nicht den Islam.

In den islamischen Quelltexten findet man stellenweise die Begriffe kufr oder Schirk98 vor, wobei damit nicht der große kufr oder Schirk gemeint ist. Die tatsächliche Bedeutung der Begriffe wird in solchen Fällen durch den Kontext klar. Solange jedoch aus dem Kontext nicht klar ersichtlich ist, dass es sich um den kleinen Schirk handelt, darf im Konsens der muslimischen Gelehrsamkeit nicht von der eigentlichen Bedeutung der Begriffe abgegangen werden.

Als Beispiel hierfür kann der folgende Hadith dienen, den Ahmad in seinem Musnad von Ibnu 'Abbas رضي الله عنه überliefert:

عَنِ ابْنِ عَبَّاسٍ، أَنَّ رَجُلًا قَالَ لِلنَّبِيِّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَا شَاءَ اللَّهُ وَشِئْتَ، فَقَالَ لَهُ النَّبِيُّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: «أَجَعَلْتَنِي وَاللَّهَ عَدْلًا بَلْ مَا شَاءَ اللَّهُ وَحْدَهُ»

…, dass ein Mann zum Propheten صلى الله عليه وسلم sagte: „Was Allah und du (ihr beide gemeinsam) wollt“. Da sagte der Prophet صلى الله عليه وسلم zu ihm: „Hast du mich und Allah gleichgesetzt?! Was Allah alleine will (musst du sagen).“

In dem hier zitierten Vorfall ging es also nicht darum, dass dieser Mann den Propheten tatsächlich anbeten wollte. Vielmehr handelt es sich um einen eindringlichen Hinweis des Propheten صلى الله عليه وسلم, dass solche Formulierungen zu unterlassen sind, da sie dem Monotheismus äußerlich widersprechen.

Aus dem Gesagten wurde also deutlich, dass es in den Texten der Schari'ah eine Unterscheidung zwischen dem eigentlichen großen Polytheismus und dem sogenannten kleinen Schirk gibt. Wie bereits erwähnt, ist in diesem Buch bei der Erwähnung des Polytheismus bzw. Schirk grundsätzlich der große Schirk gemeint.

Fußnoten

  1. Das arabische Wort Schirk beschreibt den Polytheismus und das Wort kufr umschreibt eine Handlung oder Aussage, die dem Islam so stark widerstrebt, dass sie – sofern es für die Äußerung oder Handlung keine Entschuldigung gibt – den Islam einer Person ungültig macht. Beim Wort kufr

    ist zu beachten, dass z. B. auch innerliche Überzeugungen, Gefühle und Absichten in der islamischen Theologie als „innere Taten bzw. Aussagen“ angesehen werden.

    Das arabische Wort kufr wird im Deutschen gemeinhin als „Unglaube“ übersetzt. Dabei ist das zu Beginn dieser Schrift in Bezug auf die Begriffe Iman und „Glaube“ Erwähnte zu berücksichtigen. Ebenso wie der Iman nicht auf das bloße „Glauben“ beschränkt werden kann, kann auch der kufr nicht auf das bloße „Nicht-Glauben“ bzw. auf die bloße Unkenntnis der Wahrheit reduziert werden. Ein Mensch kann für sich selbst die Richtigkeit des Islam voll und ganz erkannt haben, gleichzeitig aber den Islam als Ganzes oder Teile davon ablehnen. ↩